Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Krise im alpenquerenden Schienengüterverkehr: Lastwagentransport endet 2026

Der Schweizer Rollende Landstrasse-Verkehr stellt den Betrieb Ende 2025 ein, drei Jahre früher als geplant. Das wirkt sich auf den alpenquerenden Güterverkehr aus.

Krise im alpenquerenden Schienengüterverkehr: Lastwagentransport endet 2026
AISWI swissinfo.ch

Die Zeit für das ikonische Schweizer Huckepack-Transportsystem ist abgelaufen. In einem überraschenden Schritt, der den Abbau der alpenquerenden Infrastruktur beschleunigt, wird der Betrieb der Rola (Rollenden Landstrasse) Ende 2025 abrupt eingestellt. Damit wird der bisherige Zeitplan über den Haufen geworfen und der Dienst drei volle Jahre vor dem geplanten Auslaufen 2028 beendet.

Jahrzehntelang waren voll beladene Lastwagen, die auf Flachwagen durch die Alpen rollten, ein Symbol für Schweizer Logistik-Know-how. Diese Ära geht zu Ende. RAlpin, die Betreiberin, bestätigte die Einstellung am Montag in einer endgültigen Medienmitteilung und erklärte, die Schliessung sei «im Einvernehmen mit der Schweizerischen Eidgenossenschaft» beschlossen worden. Es handelt sich nicht um eine schrittweise Stilllegung, sondern um einen abrupten Stopp. Ab 2026 werden auf der Strecke von Freiburg im Breisgau nach Novara keine schweren Lastwagen mehr transportiert. Logistikunternehmen müssen daher sofort nach Alternativen suchen. Das vorzeitige Ende dieses Dienstes signalisiert einen grundlegenden Wandel im alpenquerenden Güterverkehr. Der Branche bleiben weniger als 20 Monate, um sich auf die neue Realität einzustellen.

Rentabilität bricht trotz Subventionen ein

Die finanzielle Tragfähigkeit ist zusammengebrochen, sodass der Betrieb nur noch dem Namen nach wirtschaftlich ist. Trotz kontinuierlicher finanzieller Unterstützung durch den Bund und der von RAlpin als «weiterhin zufriedenstellend» bezeichneten Nachfrage geht die Rechnung schlicht nicht auf. Das Gemeinschaftsunternehmen, getragen von den Schwergewichten BLS, SBB und Hupac, musste einräumen, dass der Transport von Lastwagen auf Zügen «nicht mehr rentabel» ist.

Das ist ein deutlicher Weckruf für subventionierte Verkehrsmodelle. Wenn selbst die Unterstützung des Bundes die Lücke zwischen Betriebskosten und Einnahmen nicht schliessen kann, ist das System grundlegend aus dem Gleichgewicht geraten. Der Entscheid legt die harten finanziellen Spannungen offen, die mit komplexem intermodalem Verkehr verbunden sind. Die Nachfrage nach alpenquerenden Transporten ist zwar weiterhin hoch, doch die Kosten für diese spezifische Form der «Rollenden Landstrasse» sind nicht mehr tragbar. Zu den unmittelbaren Folgen gehört, dass 16 Mitarbeitende ihre Stelle verlieren. RAlpin sucht derzeit nach Lösungen für sie. Die weiter reichende Folge ist eine deutliche Verkleinerung der Auswahl an Güterverkehrsangeboten in der Schweiz.

Deutsche Infrastrukturprobleme bremsen Schweizer Effizienz

Die Schweizer Effizienz wird von Infrastrukturproblemen jenseits der Landesgrenzen ausgebremst. Ein entscheidender Grund für die vorzeitige Einstellung ist der schlechte Zustand des deutschen Schienennetzes. Der Rola-Verkehr, der auf dem Nord-Süd-Korridor ab Freiburg im Breisgau beruht, wurde durch die zunehmende Zahl von Störungen auf deutschen Gleisen stark beeinträchtigt.

Das führt zu einem logistischen Albtraum. Zuverlässigkeit ist im Güterverkehr entscheidend, und die Unbeständigkeit der deutschen Bahninfrastruktur hat den Wert der Rola so weit gemindert, dass der Betrieb scheitert. Dies erinnert eindrücklich daran, dass die Schweizer Verkehrsstrategie nicht isoliert besteht, sondern untrennbar mit dem Zustand der Netze in den Nachbarländern verbunden ist. Mit zunehmenden Verspätungen und sinkender Planbarkeit wird es unmöglich, die präzise Umladung von Lastwagen auf die Bahn wirtschaftlich zu koordinieren. Das Ende dieses Dienstes ist ein Kollateralschaden der umfassenderen europäischen Infrastrukturkrise, die nun unmittelbar auf die Schweizer Wirtschaft durchschlägt.

Logistiklandschaft wird neu geordnet

Die Rahmenbedingungen für den alpenquerenden Verkehr ändern sich unmittelbar. Die «Rollende Landstrasse» für ganze Lastwagen wird eingestellt, der Schienenkorridor bleibt für den unbegleiteten Transport jedoch wichtig. Container können weiterhin transportiert werden, doch die bequeme Möglichkeit, einen ganzen Lastwagen auf einen Zug zu verladen, verschwindet. Logistikunternehmen, die sich auf die Rola verlassen haben, um Schweizer Strassenbeschränkungen und Lenkzeitlimits zu umgehen, müssen sich nun grundlegend neu ausrichten.

Transportunternehmen müssen künftig in kranbare Anhänger investieren oder vollständig auf den Containertransport umstellen, um das Schienennetz zu nutzen. Wer sich nicht anpassen kann, wird wieder auf die Strasse ausweichen müssen, was die alpenquerenden Autobahnen zusätzlich belasten könnte. Die Frist bis 2026 ist eine klare Grenze. Die Branche muss sich auf eine schlankere und stärker standardisierte Zukunft des Schienengüterverkehrs einstellen, in der sich nur die effizientesten Frachtformate behaupten. Die romantische Ära der Rollenden Landstrasse ist vorbei. Eine Ära kompromissloser logistischer Optimierung beginnt.