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Swiss Observer

KI wird zum Mainstream: 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzen inzwischen KI-Tools

Eine neue Digimonitor-Studie zeigt, dass inzwischen die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung KI-Tools nutzt. Bei den Nutzungsraten bestehen deutliche Unterschiede nach Alter und Geschlecht: 79 Prozent der jungen Erwachsenen nutzen KI, bei den über 55-Jährigen sind es 40 Prozent.

KI wird zum Mainstream: 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzen inzwischen KI-Tools
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hat die digitale Decke offiziell durchbrochen. In einem bemerkenswerten Wandel, der eine neue Ära für das Land markiert, nutzt inzwischen eine erstaunliche Mehrheit von 60 Prozent der Bevölkerung Tools der Künstlichen Intelligenz. Damit hat sich KI als grundlegendes Hilfsmittel etabliert und ist keine Nischenneuheit mehr. Das ist nicht einfach ein Trend, sondern ein gesellschaftlicher Wandel. Die jüngste Digimonitor-Studie, veröffentlicht von der Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) und der WEMF, bestätigt, dass rund 3,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Tools wie ChatGPT in ihren Alltag integriert haben.

Wir erleben, wie Rechenleistung auf hohem Niveau in einem bisher unvorstellbaren Tempo für alle zugänglich wird. Zum ersten Mal in der Geschichte bilden die Menschen, die KI nutzen, die absolute Mehrheit. Diese kritische Masse deutet darauf hin, dass sich die Schweiz nicht bloss auf die Zukunft einstellt, sondern sie bereits aktiv lebt. Die Skepsis weicht einer pragmatischen Nutzung von Algorithmen, die neu definieren dürften, wie die Schweizerinnen und Schweizer arbeiten, lernen und kommunizieren. Die Schwelle ist überschritten, und es gibt kein Zurück.

Explosives Wachstum übertrifft die Erwartungen

Das Tempo dieser Entwicklung ist schlicht beispiellos. Noch vor zwölf Monaten lag die KI-Nutzung bei bescheidenen 40 Prozent. Heute ist dieser Anteil um 20 Prozentpunkte gestiegen, ein dramatischer Sprung, den Statistikerinnen und Statistiker in einem derart kurzen Zeitraum nur selten beobachten. Die Digimonitor-Studie beschreibt den Aufstieg als einen Weg «in Rekordzeit zum Mainstream», eine Formulierung, die die Intensität des Wandels kaum erfasst.

Dieses explosive Wachstum zeigt, wie gross der Wunsch nach Effizienz und Innovation in der Schweiz ist. Während es bei anderen Technologien Jahre dauerte, bis sie sich in der Gesellschaft verbreiteten, ist generative KI im Nu allgegenwärtig geworden. Dieser Schub setzt die Infrastruktur und die Regulierungsbehörden unter erheblichen Druck, Schritt zu halten, zeigt aber auch, wie anpassungsfähig die Schweizer Bevölkerung ist. Wir beobachten nicht bloss einen allmählichen Anstieg, sondern einen senkrechten Start der digitalen Kompetenz, der die Wirtschaft in Echtzeit verändert.

Die grosse Kluft zwischen den Generationen

Während das Land vorwärtsstürmt, trennt eine deutliche Kluft zwischen den Generationen Digital Natives von den digitalen Zugewanderten. Die Zahlen zeichnen ein polarisiertes Bild: 79 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 15 und 34 Jahren nutzen KI-Tools. Für die Schweizer Jugend sind sie damit praktisch zum Standard geworden. Im deutlichen Gegensatz dazu tut sich die Altersgruppe über 55 mit der Nutzung schwer: Der Anteil liegt bei deutlich tieferen 40 Prozent.

Dieses Verhältnis von beinahe zwei zu eins legt eine mögliche Schwachstelle im gesellschaftlichen Zusammenhalt offen. Während jüngere Arbeitskräfte ihre Produktivität mithilfe von Algorithmen steigern, drohen ältere Generationen in einer zunehmend automatisierten Welt zurückzufallen. Dabei geht es nicht bloss um unterschiedliche Vorlieben, sondern um unterschiedliche Fähigkeiten, die den Arbeitsmarkt verändern könnten. Da KI immer stärker in berufliche Abläufe eingebettet wird, ist die Überbrückung dieser Alterskluft nicht nur ein Bildungsziel, sondern eine nationale wirtschaftliche Notwendigkeit.

Die Geschlechterkluft in der Technologiebranche bleibt bestehen

Neben dem Altersunterschied besteht in der Schweizer Tech-Landschaft weiterhin eine besorgniserregende Geschlechterkluft. Die Ergebnisse des Digimonitors zeigen, dass Männer ChatGPT und ähnliche Tools «deutlich» häufiger nutzen als Frauen. Diese Ungleichheit ist alarmierend in einem Land, das sich Gleichstellung und Innovation auf die Fahne schreibt. Wenn KI der Motor für die Produktivität der Zukunft ist, bedeutet ein ungleicher Zugang oder eine ungleiche Nutzung auch ungleiche Chancen auf beruflichen Aufstieg.

Die Gründe für diese Kluft müssen umgehend untersucht werden. Liegt es an mangelhaftem Marketing, an einer Voreingenommenheit der Benutzeroberflächen oder an tiefer verwurzelten gesellschaftlichen Mustern? Was auch immer die Ursache ist, die Wirkung ist klar: Derzeit dominieren Männer die KI-Welt. Damit die Schweiz die KI-Revolution voll ausschöpfen kann, muss die Nutzung alle einschliessen. Die Hälfte der Bevölkerung bei der Nutzung der prägendsten Technologie des 21. Jahrhunderts zurückzulassen, ist ein strategischer Fehler, den wir uns nicht leisten können.