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Swiss Observer

Advent International bietet 1,3 Milliarden US-Dollar für Schweizer Technologiefirma U-Blox

Der Private-Equity-Riese Advent International wagt mit einem milliardenschweren Angebot für U-Blox einen bedeutenden Schritt in den Schweizer Technologiesektor und erhält dabei die Unterstützung des Verwaltungsrats und eines wichtigen Aktionärs.

Advent International bietet 1,3 Milliarden US-Dollar für Schweizer Technologiefirma U-Blox
AISWI swissinfo.ch

In einem wegweisenden Schritt, der die Schweizer Technologielandschaft erschüttert, hat der US-amerikanische Private-Equity-Riese Advent International ein umfangreiches Barübernahmeangebot von 1,05 Milliarden CHF (1,30 Milliarden US-Dollar) für das in Thalwil ansässige Unternehmen U-Blox lanciert. Es handelt sich nicht um einen vorsichtigen Vorstoss, sondern um eine umfassende Übernahmestrategie, die vom Verwaltungsrat von U-Blox einstimmig unterstützt wird. Das Angebot beläuft sich auf 135 CHF je Aktie und entspricht einem aussergewöhnlichen Aufschlag von 53 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten sechs Monate vor dem Bekanntwerden des Angebots.

Der Deal bringt eine entscheidende Finanzspritze ausländischen Kapitals für Schweizer Innovation. U-Blox, ein führender Anbieter von Halbleitern für drahtlose Kommunikation und Positionsbestimmung, hat das Angebot als «attraktive Gelegenheit» angenommen, um die nächste Wachstumsphase abseits der Aufmerksamkeit der öffentlichen Märkte zu beschleunigen. Bedeutende Aktionäre stellen sich bereits hinter das Angebot: Der SEO Master Fund LP, der knapp 9 Prozent des Unternehmens kontrolliert, hat sich umgehend verpflichtet, seine Beteiligung anzudienen. Diese rasche Bündelung der Unterstützung unterstreicht das Vertrauen des Verwaltungsrats, dass Advents finanzielle Mittel der Schlüssel zur Erschliessung künftiger Werte sind. Damit bleibt den Minderheitsaktionären eine lukrative, wenn auch zwingende Entscheidung über den Ausstieg.

Marktfieber: Aktienkurs übertrifft das Angebot

Die Märkte reagierten mit grosser Dynamik, noch bevor die Tinte auf der Medienmitteilung trocken war. Nach Bloombergs erster Meldung über die bevorstehende Übernahme am Freitag legten die U-Blox-Aktien nicht einfach nur zu, sondern schossen in die Höhe. Für zusätzliche Spannung sorgt, dass die Aktie die Woche bei 138.60 CHF schloss und damit über dem offiziellen Angebot von Advent in Höhe von 135 CHF lag. Diese Differenz lässt vermuten, dass Anleger entweder mit einem verbesserten Angebot rechnen oder das Unternehmen selbst nach diesem Aufschlag noch für unterbewertet halten.

Allein in diesem Jahr sind die U-Blox-Aktien um beeindruckende 80 Prozent gestiegen, was eine dramatische Wende für das Unternehmen markiert. Der Kontext ist jedoch entscheidend. Die aktuelle Rally ist zwar beeindruckend, doch die Aktie ist noch weit von ihrem früheren Glanz entfernt und notiert deutlich unter ihrem Allzeithoch von 246.40 CHF, das im August 2016 erreicht wurde, als das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 1,7 Milliarden CHF aufwies. Die Anleger stehen nun vor einer Entscheidung: Sie können ihre Aktien mit einem beträchtlichen sofortigen Aufschlag verkaufen oder die Lücke zwischen dem heutigen Angebot und dem historischen Höchststand beklagen. Dass der Markt die Aktie über dem Angebotspreis bewertet, deutet darauf hin, dass das Drama noch nicht ganz vorbei sein könnte.

Strategische Neuausrichtung: Konzentration auf das GPS-Kerngeschäft

Diese Übernahme bildet den Abschluss einer umfassenden strategischen Neuausrichtung bei U-Blox. Das Unternehmen verschlankt seine Geschäftstätigkeit konsequent, um den Bereich der Positionierungstechnologie zu dominieren. Erst vor wenigen Monaten, Anfang Juni, schloss U-Blox den Verkauf seines Mobilkommunikationsgeschäfts an den irischen IoT-Spezialisten Trasna ab. Mit diesem gezielten Schritt wollte das Unternehmen Ballast abwerfen und seine Ressourcen auf seine Kernkompetenz konzentrieren: hochpräzise Chips und Module für die Positionsbestimmung.

Advent International kauft keinen unübersichtlichen Mischkonzern, sondern einen schlanken, fokussierten Spezialisten, der bereit ist, zu wachsen. Die Private-Equity-Firma hat ausdrücklich erklärt, sie wolle «das Unternehmen begleiten» und dessen spezialisierten Wachstumskurs unterstützen. Indem U-Blox Randbereiche abstösst und sich die Unterstützung eines privaten Investors sichert, will das Unternehmen schneller Innovationen entwickeln, ohne dem vierteljährlichen Druck öffentlicher Ergebnispräsentationen ausgesetzt zu sein. Technologien für autonomes Fahren, industrielle Ortung und Präzisionslandwirtschaft sind stark auf genau jene Positionierungstechnologie angewiesen, auf die sich U-Blox künftig noch stärker konzentriert. Damit ist die Übernahme ein strategischer Schritt mit Blick auf die Infrastruktur der Zukunft.

Das Ende einer Ära an der Schweizer Börse

Mit der Übernahme steht ein weiterer Abschied eines Schwergewichts der Technologiebranche von der SIX Swiss Exchange bevor. Nach Abschluss der Transaktion, der vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen innerhalb der nächsten sechs Monate erwartet wird, werden die U-Blox-Aktien dekotiert und das Unternehmen privatisiert. Dieser Schritt spiegelt einen wachsenden Trend wider: Schweizer Technologieunternehmen suchen zunehmend Zuflucht und Kapital bei ausländischen Private-Equity-Firmen statt an den öffentlichen Märkten.

Für das Schweizer Finanzökosystem ist die Dekotierung ein zweischneidiges Schwert. Sie bestätigt zwar die hohe Qualität der Schweizer Ingenieurskunst und die Bewertung des Unternehmens, verkleinert aber zugleich das Angebot an investierbaren Technologieunternehmen für lokale Privatanleger und institutionelle Investoren. Die Transaktion unterliegt noch den üblichen Bedingungen. Angesichts der einstimmigen Empfehlung des Verwaltungsrats und der Unterstützung wichtiger Aktionäre scheint der Weg zur Privatisierung jedoch frei. Während sich U-Blox darauf vorbereitet, aus der Öffentlichkeit zu verschwinden, beginnt unter amerikanischer Eigentümerschaft ein neues Kapitel mit einer aggressiven, kapitalgestützten Expansion. Damit verändert sich das Verhältnis zum Schweizer Markt, in dem das Unternehmen gross geworden ist, grundlegend.