Technologie
ABB baut Robotikaktivitäten in China aus
Der schweizerisch-schwedische Technologiekonzern ABB kündigt einen strategischen Ausbau seines Robotikgeschäfts in Shanghai an und führt drei neue Roboterfamilien für den wachsenden asiatischen Markt ein.

ABB setzt verstärkt auf den asiatischen Markt und baut seine Robotikaktivitäten in China entschieden aus. In einem am Mittwoch angekündigten mutigen Schritt gab der Schweizerisch-Schwedische Technologiekonzern die Einführung von drei neuen Roboterfamilien bekannt, die alle direkt im ABB-Werk in Shanghai hergestellt werden sollen. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Aktualisierung, sondern um eine gezielte Offensive, um wachstumsstarke Bereiche der Elektronik- und Konsumgüterproduktion zu erschliessen.
Mit der Verlagerung der Produktion dieser fortschrittlichen Maschinen nach China positioniert sich ABB, um die Lieferkette für die grundlegende Materialhandhabung und komplexe Aufgaben wie Dosieren und Polieren zu dominieren. Zu den konkreten finanziellen Aufwendungen für diesen «strategischen Ausbau» äussert sich das Unternehmen nicht. Die Botschaft ist jedoch eindeutig: ABB festigt seine Präsenz im globalen Produktionszentrum. Das Werk in Shanghai ist nun das Herzstück dieser Initiative und produziert Anlagen, die der enormen Nachfrage nach Automatisierung in der Region gerecht werden sollen.
OmniCore entfesseln: Die KI-getriebene industrielle Revolution
Hardware ist ohne Intelligenz nichts wert, und ABB stattet seine Maschinen mit modernster Technologie aus. Alle drei neuen Robotertypen basieren auf der standardisierten Steuerungsplattform OmniCore, die einen Quantensprung bei der industriellen Autonomie darstellt. Dabei handelt es sich nicht um veraltete Technologie: OmniCore verbindet auf umfassende Weise künstliche Intelligenz, Sensordaten, Cloud-Anbindung und Edge Computing.
Diese technologische Konvergenz ermöglicht die Entwicklung vollständig autonomer Roboteranwendungen, die weit über einfache Wiederholungsaufgaben hinausgehen. Dank der Integration dieser Systeme eignen sich die Roboter «ideal» für die hohen Anforderungen der modernen Elektronikindustrie. Durch die Verbindung von KI und Schwerindustrie macht ABB sein Portfolio zukunftssicher. So können sich die in Shanghai produzierten Einheiten in Echtzeit anpassen, dazulernen und ihre Leistung optimieren, ein entscheidender Vorteil im hart umkämpften Bereich der industriellen Automatisierung.
Die Abspaltung gestalten: Die Strategie hinter dem Milliarden-Spin-off
Während die Aktivitäten in Shanghai hochgefahren werden, zeichnet sich ein umfassender Konzernumbau ab. Der Countdown läuft bis zum zweiten Quartal 2026, dem geplanten Zeitpunkt für die Abspaltung der Robotikdivision von ABB. Nach dem erfolgreichen Vorbild der Abspaltung von Accelleron soll die Robotiksparte an die Börse gebracht und zu einem eigenständigen Unternehmen werden. Der Erlös soll den Aktionärinnen und Aktionären als Sachdividende ausgeschüttet werden.
Es handelt sich um einen Schritt mit hohem Einsatz. Die Aktionärinnen und Aktionäre sollen an der Generalversammlung 2026 über die vollständige Abspaltung abstimmen. Der Schritt signalisiert das Vertrauen, dass die Robotikdivision ohne die Einbindung in die grössere Konzernstruktur erfolgreich sein und möglicherweise sogar bessere Ergebnisse erzielen kann. In den Medien wird jedoch bereits rege über mögliche Verkäufe oder alternative Ausstiegsszenarien spekuliert, was den strategischen Fahrplan zusätzlich unter Spannung setzt. Vorerst liegt der Fokus darauf, die Division darauf vorzubereiten, als eigenständige Marktführerin aufzutreten.
Zahlen und Fakten: Ein finanzielles Schwergewicht
Die finanziellen Dimensionen dieses Ausbaus und der anschliessenden Abspaltung sind enorm. Die Robotikdivision ist selbst ein Schwergewicht und beschäftigt weltweit knapp 7000 Mitarbeitende. Allein 2024 erzielte die Division einen Umsatz von 2,3 Milliarden US-Dollar (1,82 Milliarden Franken), was rund 7 Prozent des Gesamtumsatzes des Konzerns entspricht.
Diese Zahlen zeichnen das Bild eines gesunden, umsatzstarken Geschäftsbereichs, der für die Eigenständigkeit bereit ist. Der Ausbau in Shanghai dürfte diese Zahlen vor der Abspaltung 2026 weiter verbessern und so den Wert und die Attraktivität des eigenständigen Unternehmens steigern. Während ABB sich darauf vorbereitet, sich von einer seiner zukunftsorientiertesten Divisionen zu trennen, zeugt die starke Umsatzentwicklung von der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Ingenieurskunst auf dem Weltmarkt. Die Welt blickt darauf, ob dieses 2,3-Milliarden-Unternehmen auch auf eigenen Beinen erfolgreich sein kann.