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Swiss Observer

Printaus von 20 Minuten markiert das Ende der Gratis-Tageszeitungen in der Schweiz

Die letzte Gratis-Tageszeitung der Schweiz kündigt das Ende der Printausgabe an. Davon sind 80 Stellen betroffen, und der Schritt markiert einen bedeutenden Wandel in der Schweizer Medienlandschaft.

Printaus von 20 Minuten markiert das Ende der Gratis-Tageszeitungen in der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Der tägliche Arbeitsweg in der Schweiz wird sich Ende 2025 für immer verändern. In einem endgültigen Schritt, der den vollständigen Zusammenbruch des Gratis-Printmodells signalisiert, hat die TX Group die Einstellung der gedruckten Ausgabe von 20 Minuten angekündigt. Das ist nicht bloss eine Umstrukturierung, sondern der letzte Nagel im Sarg der Gratis-Tageszeitungen in der Schweiz. Mehr als zwei Jahrzehnte lang gehörten die blauen Zeitungsboxen an Bahnhöfen von Genf bis St. Gallen zum Alltag. Doch sinkende Print-Einnahmen haben zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme gezwungen.

Der Entscheid tritt sofort in Kraft und ist unumkehrbar. Die digitale Marke bleibt zwar ein Gigant, doch die gedruckte Zeitung, die eine Generation von Schweizer Pendlerinnen und Pendlern prägte, verschwindet. Die TX Group nennt «sinkende Einnahmen im Printgeschäft» als einzigen Grund für den Entscheid. Das ist ein deutliches Eingeständnis, dass das traditionelle Werbemodell nicht mehr tragfähig ist. Während die Druckmaschinen zum Stillstand kommen, steht die Schweiz einer Medienlandschaft gegenüber, in der physische Nachrichten nun ausschliesslich ein Luxusprodukt sind und der Massenmarkt vollständig den Algorithmen der digitalen Welt überlassen wird.

Stellenabbau: 80 Arbeitsplätze auf der Kippe

Die Digitalisierung hat ihren Preis, und bezahlt wird er mit Arbeitsplätzen. In den Redaktionen und Verlagsabteilungen sollen bis zu 80 Vollzeitstellen wegfallen. Das ist ein schwerer Schlag für die Schweizer Journalistinnen und Journalisten und bedeutet eine deutliche Verkleinerung der Kapazitäten der Branche. Die Kürzungen dürften nicht punktuell ausfallen, sondern umfassend sein und Mitarbeitende in den verschiedenen Sprachregionen betreffen.

Die TX Group baut nicht bloss Überkapazitäten ab, sondern verändert die Organisationsstruktur grundlegend. Die heutige Struktur mit getrennten deutsch- und französischsprachigen Redaktionsteams wird aufgelöst. An ihre Stelle tritt eine einzige nationale Redaktion mit Standorten in Lausanne, Bern und Zürich. Das Unternehmen bezeichnet dies als Zusammenschluss zur Effizienzsteigerung, doch die menschlichen Folgen sind unbestreitbar. Während die Branche mit wirtschaftlichem Druck ringt, sind diese 80 Entlassungen eine düstere Warnung: Im Kampf um die Rentabilität sind bestehende Stellen die ersten Opfer.

Zentralisierung: Regionale Stimmen verstummen

Die regionale Präsenz wird der Effizienz geopfert. Bis Ende 2025 werden die Büros in Basel, Genf, Luzern und St. Gallen endgültig geschlossen. Damit wird die Medienmacht stark zentralisiert: Ressourcen werden aus den kantonalen Zentren abgezogen und in den grossen Städten konzentriert. Die Tage einer eigenen, physisch besetzten Redaktion im Herzen von Basel oder Luzern sind gezählt.

Um die Berichterstattung ohne die entsprechenden Fixkosten aufrechtzuerhalten, verspricht die TX Group ein «agiles Korrespondentennetzwerk», das die Büros vor Ort ersetzen soll. Dieser Wandel wirft jedoch grundlegende Fragen zur Tiefe der lokalen Berichterstattung auf. Etablierte Regionalbüros durch ein verteiltes Netzwerk zu ersetzen, ist ein gewagtes Vorhaben. Zwar lassen sich damit die Kosten deutlich senken, doch besteht das Risiko, dass die enge Verbindung zwischen der Publikation und den unterschiedlichen lokalen Identitäten, die die föderalistische Schweiz prägen, verloren geht. Die Botschaft ist klar: Die Zukunft der Nachrichten ist national, zentralisiert und schlank.

Das Erbe von 1999: Vom Umbruch zur digitalen Zukunft

Als die erste Ausgabe von 20 Minuten am 13. Dezember 1999 erschien, war sie ein Umbruch. Damals gehörte die Zeitung Schibsted, stellte die etablierten kostenpflichtigen Abonnementmodelle infrage und setzte sich durch. Nun, 26 Jahre später, wird der einstige Umbruch selbst umgekrempelt. Der Weg von der Übernahme durch Tamedia im Jahr 2005 bis zur heutigen Strategie der TX Group spiegelt die turbulente Entwicklung der globalen Medienbranche wider. Die Marke, die Pendlerinnen und Pendlern das Konzept von «20 Minuten» Lesezeit näherbrachte, kämpft heute um Sekunden Aufmerksamkeit auf einem Bildschirm.

Dieser Kurswechsel ist nicht einzigartig für die Schweiz, doch sein Tempo und seine Endgültigkeit sind bemerkenswert. Mit dem Verzicht auf Print setzt 20 Minuten alles auf seine digitalen Stärken. Das Erbe der Zeitung ist unbestreitbar: Sie machte den Zugang zu Nachrichten für Millionen Menschen demokratischer. Doch Sentimentalität hat in einer Bilanz keinen Platz. Wenn das Jahr 2026 näher rückt, wird die Marke weiterbestehen, doch das greifbare Ritual, in der Tram die Morgennachrichten aufzuschlagen, wird in die Geschichtsbücher eingehen.