Gesundheitswesen
Zürcher Spitäler treiben Modell für medizinische Versorgung zu Hause voran
Das «Visit»-Projekt des Spitals Zollikerberg zeigt Erfolge mit einem Behandlungsprogramm zu Hause, das pro Fall möglicherweise 10 % einsparen und gleichzeitig die Behandlungsergebnisse verbessern kann

In einer bahnbrechenden Entwicklung für das Schweizer Gesundheitswesen gehen Zürcher Spitäler mit einem neuartigen Modell für medizinische Versorgung zu Hause voran, das die Zukunft der Patientenbehandlung in der ganzen Schweiz neu gestalten könnte. Angeführt vom «Visit»-Projekt des Spitals Zollikerberg bringt dieser innovative Ansatz eine Versorgung auf Spitalniveau direkt zu den Patientinnen und Patienten nach Hause. Damit markiert er einen bedeutenden Wandel in der traditionellen Gesundheitsversorgung.
Umsetzung und Vorteile des Programms
Das «Visit»-Projekt ermöglicht es medizinischen Teams, Patientinnen und Patienten bei verschiedenen Erkrankungen zu Hause zu behandeln, darunter Lungenentzündung, komplizierte Harnwegsinfektionen und Herzinsuffizienz. Durch tägliche Visiten und die digitale Überwachung der Vitalwerte gewährleistet das Programm eine Versorgung nach Spitalstandard. Mit rund 200 behandelten Patientinnen und Patienten pro Jahr hat die Initiative erhebliche Vorteile gezeigt, insbesondere bei der Verringerung von Komplikationen im Zusammenhang mit Spitalaufenthalten. Laut Projektleiter Christian Ernst senkt das Programm das Risiko von Infektionen und Verwirrtheit bei älteren Patientinnen und Patienten deutlich. Beides sind häufige Probleme in herkömmlichen Spitälern.
Finanzielle Auswirkungen und Kosteneinsparungen
Das Modell für die Versorgung zu Hause hat beachtliche finanzielle Vorteile gezeigt und die Behandlungskosten pro Fall um rund 10 % gesenkt. Diese Einsparungen entstehen hauptsächlich dadurch, dass herkömmliche Spitalkosten wie die Infrastruktur für eine Betreuung rund um die Uhr und Verpflegungsangebote wegfallen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Programms hat im Kanton Zürich grosse Unterstützung gefunden. Der Kanton hat für die Unterstützung beider bestehenden Projekte sechsstellige Beträge zugesagt.
Ausweitung und Zukunftsperspektiven
Der Erfolg des Zürcher Modells hat in der ganzen Schweiz Interesse geweckt. Die Organisation Hospital at Home arbeitet mit Einrichtungen wie der Klinik Hirslanden zusammen, um das Angebot auszubauen. Das Konzept findet auch ausserhalb des Kantons Zürich Anklang: Ähnliche Initiativen entstehen in der Klinik Arlesheim im Kanton Basel-Landschaft und mit dem Programm We4you in der Region Einsiedeln. Die Pilotprojekte haben die kantonale Unterstützung bis 2026 gesichert und sind damit gut für weiteres Wachstum und ihre Weiterentwicklung aufgestellt.
Herausforderungen und Qualitätssicherung
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse verfolgen die Gesundheitsbehörden bei der Umsetzung einen zurückhaltenden Ansatz. Jörg Gruber vom Zürcher Amt für Gesundheit betont, dass Hausbesuche arbeitsintensiv sind und Qualitätsstandards eingehalten werden müssen. Derzeit läuft eine umfassende Studie, die Sicherheit und Kosteneffizienz des Modells untersucht. Der Gesundheitsökonom Marc Höglinger von der ZHAW sieht die Behandlung zu Hause als wertvolle Ergänzung des Gesundheitssystems und nicht als vollständigen Ersatz für die herkömmliche Spitalversorgung.