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Swiss Observer

Schweiz stärkt Luftverteidigung mit Kauf deutscher IRIS-T-Systeme

Die militärischen Fähigkeiten der Schweiz sollen mit der Beschaffung von fünf Luftverteidigungssystemen mittlerer Reichweite des Typs IRIS-T SLM aus Deutschland ausgebaut werden. Damit wird eine bedeutende Lücke in der nationalen Sicherheitsinfrastruktur geschlossen.

Schweiz stärkt Luftverteidigung mit Kauf deutscher IRIS-T-Systeme
AILe News

Die Schweiz sichert ihren Luftraum mit einem umfassenden Ausbau ihrer nationalen Sicherheitsinfrastruktur. Wie am 22. Juli 2025 bekannt wurde, bestätigte die Beschaffungsbehörde des Bundes, Armasuisse, die Beschaffung von fünf hochmodernen Luftverteidigungssystemen mittlerer Reichweite des Typs IRIS-T SLM. Dieser wichtige Kauf im Wert von knapp 500 Millionen CHF ist ein bedeutender Schritt zur Modernisierung der Schweizer Armee und zum Schliessen einer seit Langem bekannten Schwachstelle im Verteidigungsnetz des Landes.

Das Geschäft, das im Auftrag der Schweiz vom deutschen Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr abgewickelt wurde, ist Teil eines umfassenderen Budgets von 660 Millionen CHF im Rahmen des Rüstungsprogramms 2024. Dabei geht es nicht nur um den Kauf von Ausrüstung, sondern um ein umfassendes Paket, das Lenkwaffen, wichtige Ersatzteile und spezielle Logistikfahrzeuge umfasst. Mit dieser bedeutenden Investition signalisiert Bern die unerschütterliche Absicht, die Schweizer Souveränität gegen sich wandelnde Bedrohungen aus der Luft zu schützen. Die Vereinbarung stellt sicher, dass die Schweizer Industrie eine wichtige Rolle spielt: Ausgleichsgeschäfte garantieren, dass ein Teil dieser wertvollen Arbeit im Inland bleibt und sowohl die Sicherheit als auch die Schweizer Wirtschaft stärkt.

Bedrohungen abfangen: Hochmoderne Feuerkraft im Einsatz

Die Fähigkeiten der neuen IRIS-T-SLM-Systeme sind beeindruckend. Die mobilen bodengestützten Luftverteidigungseinheiten sind für den mittleren Reichweitenbereich konzipiert und haben eine Abfangreichweite von 40 Kilometern sowie eine beeindruckende Einsatzhöhe von 20 Kilometern. Das ist nicht bloss eine Modernisierung, sondern eine grundlegende Erweiterung der Verteidigungsreichweite der Schweiz. Das System ist darauf ausgelegt, eine Vielzahl moderner Bedrohungen abzuwehren, darunter Kampfflugzeuge, Angriffsdrohnen und Marschflugkörper. Besonders wichtig: Es stellt die Fähigkeit der Schweizer Armee wieder her, Mörsergranaten und Artilleriegeschosse abzufangen, eine Fähigkeit, über die sie seit Jahren nicht mehr verfügt.

Kernstück dieser technologischen Neuerung ist die Integration des AESA-Radars TRML-4D von Hensoldt. Der hochmoderne Sensor kann mehrere Ziele gleichzeitig mit grosser Präzision verfolgen. So kann das Schweizer Militär Bedrohungen erkennen und neutralisieren, lange bevor sie kritische Infrastruktur erreichen. Da sich die bestehenden Flugabwehrkanonen kurzer Reichweite dem Ende ihrer Nutzungsdauer nähern, tritt IRIS-T nicht nur als Ersatz auf, sondern als leistungsfähigere Weiterentwicklung. Damit soll sichergestellt werden, dass die Schweizer Alpen eine uneinnehmbare Festung gegen Angriffe aus der Luft bleiben.

Strategische Integration: Der European Sky Shield

Die Schweiz verabschiedet sich bei der Rüstungsbeschaffung vom Isolationismus und setzt stattdessen auf eine enge Zusammenarbeit. Die Beschaffung erfolgt im Rahmen der European Sky Shield Initiative (ESSI), einer von der NATO unterstützten Initiative zur Stärkung der europäischen Raketenabwehr. Mit der Beteiligung an dieser Initiative stellt die Schweiz sicher, dass sich ihre neuen Systeme nahtlos in eine umfassendere integrierte Luftverteidigungsarchitektur einfügen lassen. Damit soll erreicht werden, dass die Schweizer Verteidigung kein Einzelstück ist, sondern ein abgestimmter Teil eines kontinentalen Schutzschirms.

Die IRIS-T-Systeme werden das Herzstück einer mehrschichtigen Verteidigungsstrategie bilden und mit den bestellten F-35A-Kampfflugzeugen sowie den weitreichenden Patriot-Systemen zusammenwirken. Dieser mehrstufige Ansatz schafft einen umfassenden Schutzschirm gegen Bedrohungen in niedriger, mittlerer und grosser Höhe. Die Schweiz bleibt zwar neutral, anerkennt jedoch die Realität der modernen Kriegsführung: Sicherheit erfordert Zusammenarbeit. Die in Deutschland hergestellten Systeme von Diehl Defence bilden das fehlende Bindeglied zwischen der taktischen Kurzstreckenverteidigung und der strategischen Abschreckung in grosser Höhe.

Die Zukunft mobilisieren: Zeitplan bis zur vollen Einsatzbereitschaft

Die Zeit drängt, und die Schweizer Armee beschleunigt ihre Anstrengungen. Das 2019 gestartete Projekt für die bodengestützte Luftverteidigung mittlerer Reichweite wird angesichts der aktuellen geopolitischen Lage im beschleunigten Verfahren vorangetrieben. Die physische Lieferung der Systeme soll zwar erst 2028 beginnen, doch die Ausbildung beginnt früher. Berufsmilitärs sollen bereits 2027 eine intensive Schulung an den neuen Systemen absolvieren, die Ausbildung der Miliz folgt zwei Jahre später.

Das Ziel ist klar: Sobald die erste Ausrüstung in der Schweiz eintrifft, soll die anfängliche Einsatzbereitschaft für Einsätze zur Wahrung der Lufthoheit erreicht sein. Die volle Einsatzbereitschaft wird für 2032 erwartet. Dank der schrittweisen Einführung muss die Schweiz jedoch nicht ein Jahrzehnt warten, bis sie davon profitiert. Während die älteren Systeme ausser Dienst gestellt werden, verspricht diese neue Ära der Luftverteidigung einen leistungsfähigen, reaktionsschnellen und umfassend modernisierten Schutzschirm für das Land. Die Botschaft aus Bern ist unmissverständlich: Die Schweiz ist bereit, ihren Luftraum mit der besten Technologie zu verteidigen, die Europa zu bieten hat.