Geopolitik
Schweiz setzt für G7-Gipfel am Genfersee ein grosses Sicherheitsaufgebot ein
Im Vorfeld des G7-Gipfels im französischen Evian setzt die Schweiz Tausende Angehörige der Armee, der Polizei und des Zolls ein, um den Flughafen Genf und die umliegenden Grenzübergänge zu sichern. Der umfangreiche Einsatz unterstreicht die zentrale Rolle der Schweiz bei der Sicherheit der internationalen Delegationen, die in der Region eintreffen.

Die Schweiz ist längst nicht mehr nur neutrale Beobachterin, sondern steht an vorderster Front der globalen Sicherheit. Mit dem bevorstehenden G7-Gipfel in Evian-les-Bains lanciert die Schweizerische Eidgenossenschaft einen beispiellosen Sicherheitseinsatz zum Schutz der mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt. Der Flughafen Genf hat sich in einen militärischen Knotenpunkt mit hohen Sicherheitsanforderungen verwandelt. Er dient als wichtiges «Aushängeschild» für Delegationen, darunter jene des US-Präsidenten Donald Trump. Obwohl der Gipfel auf französischem Boden stattfindet, schlägt das logistische Herz in der Schweiz. Der gewaltige logistische Aufwand duldet keine Fehler. Der Schweizer Präsident Guy Parmelin überwacht persönlich den Empfang der Staats- und Regierungschefs und betont, dass Genf weiterhin die weltweit führende multilaterale Plattform für den Dialog sei. Dieses Prestige hat jedoch einen hohen Preis: eine abgeriegelte Stadt, verbarrikadierte Geschäfte und eine spürbare Anspannung, die sich vom Rollfeld bis zu den Alpengipfeln erstreckt. Die «Luftblase» ist bereits aktiv: Radarsysteme und Technik zur Drohnenabwehr überwachen den Himmel auf mögliche Sicherheitsverletzungen.
Ein Schutzschild aus 4'000 Armeeangehörigen
4'000 Schweizer Armeeangehörige sind inzwischen zu Land, in der Luft und auf dem Wasser im Einsatz. Sie bilden einen mehrschichtigen Verteidigungsring, der nichts dem Zufall überlässt. Dieser subsidiäre Einsatz, den das Bundesparlament genehmigt hat, soll die Kantonspolizeien von Genf, Waadt und Wallis umfassend unterstützen. Die Zahlen sind beachtlich: Insgesamt sind fast 5'000 Einsatzkräfte zur Sicherung der Grenzübergänge und der kritischen Infrastruktur aufgeboten. Auf der anderen Seite der Grenze hat Frankreich unterdessen sogar 16'000 Polizistinnen und Polizisten sowie Gendarmen eingesetzt. Bei diesem gemeinsamen Einsatz kommen berittene Polizei und Diensthunde ebenso zum Einsatz wie hochentwickelte Unterwasserdrohnen im Genfersee. Das Ziel ist klar: vollständige Kontrolle. US-amerikanische Chinook-Transporthelikopter der Armee wurden bereits am Flughafen Genf gesichtet. Sie signalisieren, dass der massive Sicherheitsapparat rund um den US-Präsidenten anrückt. Mit den verschärften Grenzkontrollen dürfte der Verkehr am Seeufer zum Erliegen kommen. Aus einer malerischen Touristenroute wird so ein streng überwachter Machtkorridor.
Im Bann der Geister von 2003
Die Erinnerung an 2003 ist in der Schweizer Psyche eine tiefe Narbe, und die Behörden wollen eine Wiederholung der Geschichte verhindern. Vor 23 Jahren löste der G8-Gipfel in Evian in Genf und Lausanne schwere Krawalle aus. Dabei entstanden Sachschäden in Millionenhöhe, und gewaltsame Zusammenstösse erschütterten das Land. Heute schüren die Angst vor einer Unterwanderung durch den «Schwarzen Block» und vor radikaler Sabotage eine Null-Toleranz-Politik. «Genf darf nicht zur Hauptstadt der Randalierer werden», warnt Francois Baertschi. Damit spricht er die weitverbreitete Sorge der lokalen Unternehmen an. Geschäfte verbarrikadieren ihre Schaufenster bereits mit dicken Holzplatten, auch in Gebieten weitab der vorgesehenen Demonstrationsrouten. Die «No-G7»-Koalition, ein Zusammenschluss von über 60 Organisationen, verspricht friedliche Aktionen. Die Behörden haben sie jedoch auf eine «absurde» Rundroute verwiesen, die Demonstrierende vom sensiblen Stadtzentrum fernhält. Die angespannte Lage steht in starkem Kontrast zur ruhigen Diplomatie, die innerhalb der Gipfelmauern erwartet wird. Sie macht die tiefen gesellschaftlichen Gräben sichtbar, die internationale Gipfeltreffen oft offenlegen.
Viel steht auf dem Spiel bei der grenzüberschreitenden Diplomatie
Dieser Einsatz ist mehr als eine Sicherheitsübung. Er ist ein Test der schweizerisch-französischen Zusammenarbeit in einer Zeit «äusserst angespannter» internationaler Beziehungen. Botschafter Alain Gaschen hat betont, dass die Schweiz und Frankreich ein gemeinsames Ziel verfolgen: die sichere Durchführung des Gipfels. Hinter der professionellen Zusammenarbeit bestehen jedoch weiterhin Reibungspunkte. So ist insbesondere noch keine Einigung darüber erzielt worden, wie die enormen Kosten dieses Sicherheitsdispositivs aufgeteilt werden sollen. Für die Schweiz steht mehr als nur Geld auf dem Spiel. Der Anlass bietet die Gelegenheit, Genfs Status als neutrales, sicheres und effizientes «Tor» zur globalen Governance zu bekräftigen. Die Welt wird beobachten, ob der Erfolg des G7-Gipfels ebenso von den Schweizer Armeeangehörigen an der Grenze wie von den in Evian verhandelnden Diplomatinnen und Diplomaten abhängt. Gelingt es der Schweiz, die Ordnung aufrechtzuerhalten, wo dies 2003 misslang, wird sie ihren Ruf als zuverlässigste Gastgeberin der Welt festigen. Andernfalls könnte die Austragung hochkarätiger Veranstaltungen auf Schweizer Boden grundsätzlich infrage gestellt werden.