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Swiss Observer

Die Schweiz bereitet sich auf das neue EU-Einreise-/Ausreisesystem vor

Die Schweizer Behörden bereiten sich auf die Einführung des neuen Schengener Grenzkontrollsystems vor. Betroffen sind Reisende aus Nicht-EU-Staaten, deren biometrische Daten erfasst werden.

Die Schweiz bereitet sich auf das neue EU-Einreise-/Ausreisesystem vor
AIThe Local Switzerland

Die Ära des manuellen Passstempels neigt sich ihrem Ende zu. Mit einem entscheidenden Schritt, der eine umfassende Neuausrichtung der europäischen Grenzsicherheit signalisiert, hat die EU einen Start des lang erwarteten Einreise-/Ausreisesystems (EES) im Oktober ins Auge gefasst. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine administrative Anpassung, sondern um eine grundlegende Veränderung der Art und Weise, wie Grenzen überquert werden. Die eng mit dem Schengen-Raum verbundene Schweiz steht am Beginn dieser digitalen Revolution.

Jahrzehntelang war der rhythmische Schlag des Stempels des Grenzbeamten das unverkennbare Geräusch des internationalen Reisens. Dieses Geräusch wird bald vom Summen der Server und dem Aufblitzen biometrischer Scanner abgelöst. Die am Mittwoch erzielte Einigung zwischen den Mitgliedstaaten unterstreicht die erneute Dringlichkeit einer Modernisierung. In der Vergangenheit wurde das Projekt immer wieder verzögert, doch die Botschaft aus Brüssel ist nun glasklar: Die Grenzkontrollen werden digital, und der Zeitplan ist ehrgeizig. Reisende, die an die bisherigen Abläufe gewöhnt sind, müssen sich diesen Herbst auf eine grundlegend andere Ankunft einstellen.

Biometrische Festung: die neue Realität

Die Sicherheitsvorkehrungen werden verschärft, die Anonymität schwindet. Das neue EES ist eine technologische Festung, die darauf ausgelegt ist, die biometrischen Daten aller Staatsangehörigen von Nicht-Schengen-Staaten, die in den Raum einreisen, systematisch zu erfassen. Dazu gehören hochauflösende Gesichtsbilder und Fingerabdrücke, bei denen keinerlei Fehler möglich sein sollen. Das System schliesst den Kreis der Grenzkontrollen und schafft ein unablässig wachendes digitales Auge an den Aussengrenzen des Kontinents.

Die Ziele sind ambitioniert und kompromisslos: Identitätsbetrug soll verhindert und die Aufenthaltsdauer von Personen, die länger als erlaubt bleiben, konsequent überwacht werden. Durch die Automatisierung der Datenerfassung beseitigt das System menschliche Fehler und die Möglichkeit der Manipulation. Dies ist ein grosser Fortschritt bei der Sicherheitsinfrastruktur. Während einige Reisende von einem vollständig digitalen Portemonnaie träumen, wie es sich auch Bürgerinnen und Bürger wünschen, die künftig ohne physische Passhefte auskommen möchten, sieht die unmittelbare Realität nach einem strengen, stark hardwaregestützten Überprüfungsverfahren aus. Die Botschaft an Kriminelle und Personen, die sich nicht an die Regeln halten, ist unmissverständlich: Der Schengen-Raum rüstet seine Sicherheitsvorkehrungen auf, und die Lücken schliessen sich rasch.

Die Schweiz ist zur Umsetzung verpflichtet

Der Schweiz bleibt keine andere Wahl, als sich anzupassen. Als engagiertes Mitglied des Schengen-Abkommens ist die Schweizerische Eidgenossenschaft rechtlich verpflichtet, diese weitreichenden Änderungen an ihren Grenzübergängen umzusetzen. Von den geschäftigen Terminals in Zürich bis zu den internationalen Drehkreuzen in Genf und Basel müssen sich die Schweizer Flughafenbehörden auf eine logistische Umstellung von beispiellosem Ausmass vorbereiten. Dies ist kein Experiment aus Brüssel, sondern Schweizer Realität.

Der Rat der Europäischen Union für Justiz und Inneres hat die Vorgaben gemacht, und für die Schweiz läuft nun die Zeit. Auch wenn der genaue «Tag null» noch der endgültigen Genehmigung durch die Europäische Kommission und das Europäische Parlament bedarf, muss die Planung der Infrastruktur jetzt beginnen. Die Integration der Schweizer Systeme in die zentrale EU-Datenbank stellt eine bedeutende technische Herausforderung dar. Für Schweizer Sonderwege ist hier kein Platz: Die Grenzen der Schweiz sind die Grenzen Europas und müssen genauso konsequent gesichert werden wie jene in Paris oder Frankfurt.

Die Uhr tickt für Reisende

Für Reisende aus Nicht-EU-Staaten wird die 90-Tage-Regel künftig strikt durchgesetzt. Das EES soll die Aufenthaltsdauer mit mathematischer Präzision überwachen und Personen sofort erfassen, die auch nur einen Tag länger als erlaubt bleiben. Mit einer «flexiblen» Auslegung der Visabestimmungen ist es vorbei. Das System berechnet automatisch die Aufenthaltsdauer im Raum. Damit wird den Grenzbeamten diese Aufgabe abgenommen und die Verantwortung ganz den digitalen Aufzeichnungen übertragen.

Das Ziel ist zwar eine höhere Effizienz, doch die Übergangszeit dürfte turbulent werden. Es stellt sich die Frage, wie sich das System während der Hauptreisezeiten auf die Abfertigungsdauer auswirkt. Werden die zusätzlichen Sekunden für den biometrischen Scan an der Passkontrolle zu stundenlangen Verzögerungen führen? Reisende müssen sich auf eine neue Normalität einstellen, in der ihre Anwesenheit digital erfasst wird, sobald sie aus dem Flugzeug steigen. Das System soll Regelverstösse aufdecken, wird aber unweigerlich auch Unschuldige gleich streng überprüfen. Der Countdown bis Oktober hat begonnen.