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Swiss Observer

Schweizer Sicht auf die USA verschlechtert sich, Trumps Politik belastet das Bündnis

Die öffentliche Meinung in der Schweiz gegenüber den Vereinigten Staaten hat sich deutlich verschlechtert. Immer mehr Menschen betrachten die USA unter Präsident Trump als Rivalen. Eine neue europäische Umfrage nennt dessen Zollpolitik und Angriffe auf die internationale Ordnung als wichtige Gründe für die wachsende Skepsis.

Schweizer Sicht auf die USA verschlechtert sich, Trumps Politik belastet das Bündnis
AIThe Local Switzerland

Erstaunliche 41 Prozent der Schweizer Bevölkerung betrachten die Vereinigten Staaten inzwischen als «Feind» oder «Rivalen». Das markiert einen tiefgreifenden Wandel in einer Beziehung, die einst von Stabilität geprägt war. Diese Feindseligkeit ist keine kleine Welle, sondern eine Flut der Skepsis, die das Herz der alpinen Neutralität erreicht hat. Laut einer Umfrage vom Mai 2026 des European Council on Foreign Relations (ECFR) und des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten ist der Anteil der Schweizerinnen und Schweizer, die die USA als Verbündeten sehen, innerhalb von nur sechs Monaten von 53 auf gerade einmal 45 Prozent gesunken. Damit ist die Schweiz unter den zwölf untersuchten europäischen Ländern das Land mit der ablehnendsten Haltung gegenüber der Trump-Regierung. Der Vertrauensverlust ist vollständig und wird durch die Wahrnehmung befeuert, dass die «Schwesterrepublik» jenseits des Atlantiks die Diplomatie gegen Störungen eingetauscht hat. Während sich die USA zunehmend isolationistisch und aggressiv ausrichten, begegnet die Schweizer Öffentlichkeit ihnen mit einer kühlen Zurückhaltung, die noch vor einem Jahrzehnt undenkbar gewesen wäre.

Wirtschaftliches Lösegeld: Die Beschwichtigungsstrategie von 27 Milliarden Dollar

Schweizer Unternehmen haben unglaubliche 27 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft investiert, mehr als zehn Prozent ihrer gesamten weltweiten Investitionen, in einem verzweifelten Versuch, lähmende Handelszölle abzuwenden. Doch selbst diese massive Kapitalspritze dürfte nicht ausreichen, um die protektionistischen Begehrlichkeiten des Weissen Hauses unter Trump zu stillen. Die «America First»-Politik hat Schweizer Exporte faktisch als Geisel genommen und Bern gezwungen, sich durch ein Minenfeld unberechenbarer Handelshemmnisse zu bewegen. Obwohl diese Investitionen ein bedeutendes Entgegenkommen darstellen, sieht die Schweizer Öffentlichkeit sie als eine Art wirtschaftliches Lösegeld. Die Spannung ist spürbar: Die Schweizer Industrie muss sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass keine noch so grosse Investition Immunität gegenüber einem Präsidenten garantieren kann, der den internationalen Handel als Nullsummenspiel betrachtet. Dieses finanzielle Taktieren verdeutlicht die prekäre Lage der Schweizer Wirtschaft, die weiterhin eng in den US-Markt eingebunden ist und zugleich dessen Unbeständigkeit fürchtet.

Sicherheitsbruch: Bern wendet sich von US-Waffen ab

Überwältigende 73 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind inzwischen gegen den Kauf amerikanischer Waffen. Dies ist eine deutliche Zurückweisung des US-Sicherheitsschirms. Dieser zunehmende Widerstand in der Bevölkerung stellt die Verteidigungsstrategie der Schweizer Regierung grundlegend infrage. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit Washingtons ist geschwunden: Drei Viertel der Befragten glauben nicht, dass die USA militärische Hilfe leisten würden, falls die Schweiz angegriffen würde. Im Gegensatz dazu setzen inzwischen zwei Drittel der Bevölkerung auf die europäischen Nachbarn, wenn es um Schutz geht. Das signalisiert eine tiefgreifende Hinwendung zu einer gesamteuropäischen Sicherheitsidentität. Die Botschaft der Schweizer Bevölkerung ist unmissverständlich: Sie würde lieber in europäische Militärgüter investieren, als an eine unberechenbare Supermacht gebunden zu bleiben. Bei diesem Wandel geht es nicht nur um Rüstungsgüter, sondern auch um eine grundlegende Neubewertung der Frage, wem die Schweiz vertrauen kann, wenn die Sirenen heulen. Die Zeiten, in denen man davon ausging, dass Uncle Sam den Schutzschild bereitstellen würde, sind vorbei. An ihre Stelle tritt ein Pragmatismus, der regionale Solidarität gegenüber transatlantischer Abhängigkeit priorisiert.

Der Trump-Faktor: Dauerhafter Schaden oder vorübergehender Rückschlag?

Obwohl das aktuelle Klima frostig ist, glauben 53 Prozent der Schweizer Befragten, dass sich der Schaden für die transatlantischen Beziehungen beheben lässt, sobald Donald Trump sein Amt verlässt. Eine bedeutende Minderheit befürchtet jedoch, dass die Narben dauerhaft sind. In ganz Europa betrachten nur noch 11 Prozent der Menschen die USA als Verbündeten, ein drastischer Rückgang um 22 Prozentpunkte seit dem Ende der Biden-Regierung. Das deutet darauf hin, dass Trump zwar der Auslöser ist, die Ernüchterung aber strukturell bedingt sein könnte. Die Schweiz steht an einem Scheideweg: Wartet sie auf eine Rückkehr zur «Normalität» in Washington, oder beschleunigt sie ihre Integration in eine autonomere europäische Ordnung? Der ECFR-Bericht warnt, dass das Vertrauen «auf neue Tiefstwerte gesunken» ist und der Weg zurück zu einer Partnerschaft steinig sein wird. Für die Schweiz bedeutet die unmittelbare Zukunft einen heiklen Balanceakt: Sie muss ihre wirtschaftlichen Interessen in den USA schützen und sich zugleich emotional und militärisch von einem Partner lösen, den viele inzwischen als Rivalen betrachten. Das Bündnis ist nicht nur angespannt, sondern wird für ein postamerikanisches Jahrhundert grundlegend neu definiert.