Gesundheit
Schweizer Forschende entdecken Risiko einer Mpox-Infektion des Gehirns
Forschende der Universität Bern präsentieren bahnbrechende Erkenntnisse: Das Mpox-Virus kann Gehirnzellen infizieren und schädigen. Dies wirft neue Fragen für die öffentliche Gesundheit auf.

Schweizer Forschende haben die Vorstellung widerlegt, Mpox sei lediglich eine oberflächliche Hauterkrankung. In einer bahnbrechenden Studie, die in Nature Communications veröffentlicht wurde, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Bern und des Instituts für Virologie und Immunologie (IVI) bestätigt, dass das Mpox-Virus die beunruhigende Fähigkeit besitzt, ins menschliche Gehirn einzudringen. Das ist keine theoretische Vermutung, sondern eine bestätigte biologische Tatsache, die von den globalen Gesundheitsbehörden umgehend beachtet werden muss.
Während die Welt mit den sichtbaren Krankheitssymptomen, schmerzhaften Ausschlägen und grippeähnlicher Erschöpfung, zu kämpfen hatte, legt diese von der Schweiz geleitete Studie eine weitaus heimtückischere Gefahr offen. Das Virus kann Gehirnzellen aktiv infizieren und direkte neurologische Schäden verursachen. Diese Entdeckung verändert die Sicht auf Mpox grundlegend: Die Krankheit ist nicht mehr nur ein dermatologisches Problem, sondern könnte sich zu einer neurologischen Krise entwickeln. Während das Virus weiterhin weltweit zirkuliert, ist diese wichtige Erkenntnis aus Bern eine deutliche Warnung: Die Auswirkungen von Mpox könnten weit über das hinausgehen, was mit blossem Auge sichtbar ist.
Der Zusammenhang mit Alzheimer: Angriff auf die Zellen
Der Mechanismus, mit dem das Virus angreift, ist ebenso faszinierend wie beunruhigend. Mithilfe fortschrittlicher Hirnorganoide, dreidimensionaler Mini-Gehirne, die aus menschlichen Stammzellen gezüchtet wurden, beobachtete das Forschungsteam, wie sich das Virus unaufhaltsam von Zelle zu Zelle ausbreitete. Die Folgen dieses Eindringens ähneln den Schäden, die bei einigen der gefürchtetsten neurodegenerativen Erkrankungen auftreten, die der Medizin bekannt sind.
Die Infektion löst die Bildung sogenannter «neuritischer Perlen» aus, perlenförmiger Verdickungen entlang der Nervenzellen. Diese strukturelle Verformung ist keine harmlose Nebenwirkung, sondern ein Vorzeichen des Zelltods. Bemerkenswert ist, dass dieselben perlenförmigen Strukturen typisch für die Alzheimer-Krankheit sind. Indem die Forschenden diese Schäden im Labor mit einer Virusprobe aus dem Ausbruch von 2022 nachbildeten, lieferte die Zusammenarbeit der Universität Bern, des Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) und des Labors Spiez unwiderlegbare visuelle Belege für das zerstörerische Potenzial des Virus im Zentralnervensystem.
Die Zahlen: Neurologische Folgen
Historische Daten zeichnen ein düsteres Bild und unterstreichen die Dringlichkeit dieser Erkenntnisse. Erschreckende 3 % aller Personen, die zwischen 1985 und 2021 mit dem Mpox-Virus infiziert waren, entwickelten schwere neurologische Symptome. Dabei geht es nicht um leichte Kopfschmerzen: Die Betroffenen litten unter Krampfanfällen und Enzephalitis, einer schweren Gehirnentzündung, die tödlich verlaufen kann.
Jahrzehntelang blieb das Ausmass, in dem das Virus das Zentralnervensystem befällt, ein medizinischer blinder Fleck. Der Anteil von 3 % betrifft einen bedeutenden Teil der Patientinnen und Patienten, doch die biologischen Ursachen waren bis jetzt unklar. Indem Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die historischen statistischen Daten mit den neuen biologischen Belegen für eine direkte Infektion des Gehirns verknüpften, haben sie eine wichtige Wissenslücke geschlossen. Diese Forschung bestätigt das Leiden Tausender früherer Patientinnen und Patienten und bietet eine entscheidende Grundlage für die Überwachung heutiger und künftiger Fälle.
Durchbruch bei der Behandlung gibt Anlass zur Hoffnung
Neben den beunruhigenden Entdeckungen bringt die Schweizer Studie auch einen starken Hoffnungsschimmer. Das Forschungsteam beschränkte sich nicht darauf, das Problem zu identifizieren, sondern prüfte aktiv mögliche Lösungen. Das antivirale Medikament Tecovirimat hat sich als wirksame Waffe gegen diesen Angriff auf das Nervensystem erwiesen. Bei einer Behandlung mit Tecovirimat ging die Viruslast in den infizierten Hirnorganoiden deutlich zurück.
Diese Erkenntnis könnte die klinischen Behandlungsprotokolle grundlegend verändern. Sie deutet darauf hin, dass bestehende antivirale Therapien das Gehirn vor schweren Schäden schützen könnten, wenn sie richtig verabreicht werden. Wie die Universität Bern und das IVI betonen, ist dies nicht nur ein Erfolg für Virologie und Neurobiologie, sondern auch für die weltweite Strategie im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Die Schweiz treibt medizinische Innovationen weiterhin voran und liefert der Welt sowohl eine Warnung vor der Gefahr als auch Mittel zu ihrer Bekämpfung.