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Swiss Observer

Schweizer Bahn zweitbeste in Europa

Die Schweizerischen Bundesbahnen erreichen in einem umfassenden europäischen Bahnvergleich eine Spitzenplatzierung und überzeugen trotz Preisproblemen mit Zuverlässigkeit und Servicequalität.

Schweizer Bahn zweitbeste in Europa
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hat ihren Ruf als Bahnland gefestigt und belegt in einem neuen, anspruchsvollen europäischen Ranking den zweiten Platz. In einer europaweiten Analyse von 27 grossen Bahnunternehmen behaupteten sich die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und wurden nur von der italienischen Trenitalia übertroffen. Das am Montag von der einflussreichen NGO Transport and Environment (T&E) veröffentlichte Ranking bestätigt, was viele Pendlerinnen und Pendler täglich erleben: Die Schweizer Bahn bleibt weltweit ein Massstab für Qualität, auch wenn der Wettbewerb jenseits der Grenze zunimmt.

Der tschechische Betreiber RegioJet rundete die Top drei ab. Die Silbermedaille der SBB ist ein Beleg für die unermüdliche Effizienz des Schweizer Netzes. Das ist nicht bloss ein Trostpreis, sondern bestätigt ein System, das für das Land als «Rückgrat der Mobilität» dient. Der zweite Platz zeigt jedoch, dass noch Luft nach oben besteht. Die Studie ist ein Weckruf und macht deutlich: Die Schweizer Züge sind zwar pünktlich und überall präsent, doch den Titel für das «beste Preis-Leistungs-Verhältnis» hält derzeit Rom, nicht Bern. Die Herausforderung ist klar: Die hohen Servicestandards müssen beibehalten und zugleich die sich wandelnden Bedürfnisse der Reisenden in Europa berücksichtigt werden.

Die Kriterien: Zuverlässigkeit und Ticketpreis

Acht entscheidende Kriterien bestimmten in dieser Bewertung mit viel auf dem Spiel die Gewinner und Verlierer. Ein Faktor stand dabei über allen anderen: der Ticketpreis. Die Methodik von T&E gewichtete die Erschwinglichkeit auf mittleren und langen Strecken besonders stark, ein Kriterium, das Premiumanbieter oft vor Probleme stellt. Die SBB ist für ihre uhrwerkartige Präzision bekannt, die bei der Bewertung der «Zuverlässigkeit» stark ins Gewicht fiel. Die Studie unterstreicht jedoch, wie schwierig es ist, hochwertige Dienstleistungen mit erschwinglichen Preisen in Einklang zu bringen.

Neben den Kosten nahm das Ranking das gesamte Reiseerlebnis unter die Lupe. Pünktlich anzukommen, reichte nicht aus: Bewertet wurden auch die Entschädigungsregelungen bei Verspätungen, die Verfügbarkeit von Ermässigungen und das Angebot an Nachtzügen. Besonders hob die Studie zudem die Einbindung aktiver Mobilität hervor, insbesondere die Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen. In dieser Kategorie schwächelte selbst die erstplatzierte Trenitalia. Für die SBB gehört eine hohe Zuverlässigkeit zum Alltag. Dieser umfassende Bewertungsrahmen macht jedoch deutlich, wie vielschichtig modernes Reisen ist: Der Ticketpreis wird genauso genau geprüft wie die Ankunftszeit.

Trenitalia führt, Eurostar stürzt ab

Trenitalia hat sich an die Spitze des Rankings gesetzt und ein herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bewiesen. Der italienische Betreiber überzeugte in beinahe jeder Kategorie und bietet eine attraktive Kombination aus Servicequalität und erschwinglichen Preisen, der der Rest Europas nun nacheifert. Laut der NGO macht Trenitalias Fähigkeit, Kosten und Leistung in Einklang zu bringen, das Unternehmen derzeit zum Massstab für Bahnreisen in Europa. Dieser Erfolg zeigt, dass sich die Prioritäten der Fahrgäste verschieben: Eine effiziente und preisgünstige Bahn ist entscheidend.

Im krassen Gegensatz dazu ist Eurostar auf den letzten Platz abgerutscht. Der grenzüberschreitende Betreiber wurde als schlechtestes Bahnunternehmen des Kontinents eingestuft und kämpft mit einer schweren Rufkrise. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Preise bei Eurostar sind doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt. T&E nahm kein Blatt vor den Mund und erklärte, dass diese exorbitanten Kosten keine Garantie für Servicequalität böten. Als konkreten Mangel nannte die Organisation die geringe Zuverlässigkeit. Während Trenitalia aufsteigt, gelingt es Eurostar nicht, ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Das ist eine Warnung für Hochgeschwindigkeitsbahnen überall.

Schweizer Bahnidentität und künftige Herausforderungen

Für die Schweiz als Bahnland ist der zweite Platz ein starkes Ergebnis, aber auch ein strategischer Wegweiser. Die Schweizerinnen und Schweizer nutzen die Bahn so intensiv wie kaum jemand sonst in Europa, und die SBB sind ein wichtiger Teil der nationalen Identität. Der T&E-Bericht lenkt jedoch den Blick auf Bereiche mit Innovationspotenzial. Victor Thévenet, Bahnkoordinator des Thinktanks, betonte, es gehe darum, die Staaten zu ermutigen, «bahnbegünstigendere Vorschriften» einzuführen. Dazu gehört der Ausbau des Nachtzugnetzes, einem Bereich, in dem die Schweiz auf eine lange Geschichte und eine vielversprechende Zukunft zurückblickt.

Zudem zeigt die Bewertung, dass die Bahn besser auf den Lebensstil der heutigen Reisenden eingehen muss, insbesondere was Fahrräder betrifft. Während Trenitalia in diesem Bereich Schwächen zeigte, hat die SBB die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Mit diesen Erkenntnissen kann die Schweiz ihre Infrastruktur weiterentwickeln, um nicht nur ihren Platz auf dem Podest zu behaupten, sondern auch den Spitzenplatz anzugreifen. Die Infrastruktur ist vorhanden, die Unterstützung der Bevölkerung ist ungebrochen, und der Auftrag ist klar: Die Renaissance der Bahn muss weiter vorangetrieben werden, damit Zuverlässigkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis Hand in Hand gehen.