Umwelt
Schweiz’ Vorgehen gegen «Ewigkeitschemikalien» stösst bei Bauern auf Widerstand
Ein Plan der Bundesbehörden, Tests auf PFAS, sogenannte «Ewigkeitschemikalien», in Lebensmitteln vorzuschreiben und belastete Produkte zu verbieten, stösst bei kantonalen Behörden und Landwirtschaftsverbänden auf Widerstand. Damit bahnt sich eine kontroverse Debatte zwischen dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und den Interessen der Landwirtschaft an.

Die Schweiz steht an einem Wendepunkt, während die Bundesbehörden sich darauf vorbereiten, mit harten regulatorischen Massnahmen in die Lebensmittelversorgung des Landes einzugreifen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) will mit beispielloser Geschwindigkeit vorschreiben, dass die Kantone PFAS, die berüchtigten «Ewigkeitschemikalien», in jedem Steak und Ei aufspüren, das für Schweizer Esstische bestimmt ist. Das ist nicht bloss ein Vorschlag, sondern ein Ultimatum. Die Behörden verlangen von den kantonalen Stellen, sofortige Verkaufsverbote für jedes Produkt durchzusetzen, das die gesetzlichen Grenzwerte überschreitet. Das BLV vertritt eine kompromisslose Haltung: «Abwarten ist keine Lösung.» Die Behörden betonen zwar, sie setzten lediglich bestehende Gesetze durch, doch die plötzliche Hinwendung zu umfassenden Tests stellt eine deutliche Verschärfung des Kampfes gegen industrielle Schadstoffe dar. Jahrzehntelang sind diese synthetischen Verbindungen in die Umwelt gelangt, und nun ist die Rechnung dafür fällig. Die Massnahme richtet sich gegen eine riesige Palette synthetischer Chemikalien, die von Löschschäumen bis zu beschichteten Pfannen verwendet werden. Diese Stoffe bauen sich nicht ab, sondern reichern sich unaufhaltsam im menschlichen Körper an. Während Bern die Zügel anzieht, stellt sich die Verwaltungsmaschinerie der Schweizerischen Eidgenossenschaft auf eine Konfrontation mit genau jenen ein, die das Land ernähren.
Bauern droht der finanzielle Ruin
Eine Welle der Angst geht durch die Schweizer Landwirtschaft, während die Bäuerinnen und Bauern mit der Aussicht auf den vollständigen wirtschaftlichen Zusammenbruch konfrontiert sind. In Kantonen wie St. Gallen, Zürich und Freiburg schlägt der Agrarsektor frenetisch Alarm: Ein einziger positiver PFAS-Test könnte dazu führen, dass eine ganze Herde nicht mehr verkauft werden darf und Familienbetriebe damit über Nacht in den Konkurs treibt. Das ist keine theoretische Bedrohung, sondern eine konkrete und unmittelbare Gefahr für die Schweizer bäuerliche Lebensweise. Die Kantonsregierungen wehren sich nun gegen Bern und verlangen zu wissen, wer den Preis für ein Kontaminationsproblem bezahlt, das die Landwirtschaft nicht verursacht hat. Während die Bundesbehörden dies als örtlich begrenztes Problem betrachten, argumentieren die regionalen Führungskräfte, die Auswirkungen seien systemisch. Glarus und Freiburg haben sich einem wachsenden Chor angeschlossen, der einen nationalen Entschädigungsfonds fordert, um die Produzenten vor den Folgen dieser Verbote zu schützen. Ohne finanzielle Garantien droht die Verschärfung der Kontrollen einen Erfolg für die öffentliche Gesundheit in eine agrarische Katastrophe zu verwandeln. Die Spannung ist spürbar, während sich die Schweizer Landwirtschaftslobby, eine der einflussreichsten politischen Kräfte des Landes, darauf vorbereitet, sich der Bundesvorgabe zu widersetzen.
Das giftige Erbe in Schweizer Böden
PFAS sind die unsichtbaren Eindringlinge in der Schweizer Landschaft, und ihre Beständigkeit ist beängstigend. Diese Chemikalien, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wegen ihrer Beständigkeit gegen Hitze, Wasser und Fett geschätzt werden, sind zu einem dauerhaften Bestandteil unseres Ökosystems geworden. Sie bauen sich nicht ab, sondern reichern sich immer weiter an. Von industriellen Deponien bis zu Abwasserreinigungsanlagen gelangen diese Giftstoffe in genau jene Böden und das Grundwasser, die die Schweizer Landwirtschaft am Leben erhalten. Die gesundheitlichen Folgen sind alarmierend: Eine anhaltende Belastung wird mit Leberschäden, hormonellen Störungen und sogar bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht. Besonders besorgniserregend sind die Auswirkungen auf die nächste Generation: Daten zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen der PFAS-Belastung und einem tieferen Geburtsgewicht. Da diese Chemikalien über die Nahrungskette weitergegeben werden und sich in Fisch, Fleisch und Milchprodukten anreichern, ist die Schweizer Ernährung zu einem Hauptweg der Belastung geworden. Die verschärften Kontrollen des BLV sind ein verzweifelter Versuch, diese Verbindung zu unterbrechen. Das Ausmass der Umweltbelastung deutet jedoch darauf hin, dass das Problem viel weiter verbreitet sein könnte, als derzeit eingeräumt wird. Wir ringen mit dem Erbe industrieller Bequemlichkeit, das nun die grundlegende Sicherheit unserer Lebensmittelversorgung bedroht.
Parlamentarischer Kompromiss oder Risiko für die öffentliche Gesundheit?
In einem Schritt, der Gesundheitsschützer überrascht hat, hat sich das Schweizer Parlament für eine umstrittene «Verdünnungsstrategie» ausgesprochen, damit Fleisch weiterhin in den Regalen bleibt. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier unterstützten einen Vorschlag, der es erlauben würde, belastetes Fleisch mit unbelasteten Produkten zu mischen, bis die PFAS-Gesamtkonzentration unter die gesetzlichen Grenzwerte sinkt. Es ist ein pragmatischer, wenn auch umstrittener Versuch, das wirtschaftliche Überleben mit dem Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten in Einklang zu bringen. Dieser «flexible» Ansatz bietet notleidenden Bauern zwar einen Rettungsanker, Kritikerinnen und Kritiker wenden jedoch ein, dass damit die öffentliche Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird, weil bekannte Giftstoffe in der Lebensmittelversorgung bleiben dürfen. Das BLV steht nun vor einer schwierigen Gratwanderung: Es soll den Parlamentsentscheid umsetzen und gleichzeitig die Integrität der Schweizer Lebensmittelstandards wahren. Vorschläge für die endgültige Richtlinie werden im Laufe des Sommers erwartet, und das ganze Land blickt nach Bern. Wird die Schweiz einen weltweit führenden Standard für die Regulierung von Chemikalien setzen, oder wird wirtschaftlicher Druck einen Kompromiss erzwingen, der die Bevölkerung weiterhin einem Risiko aussetzt? Der Ausgang dieser Debatte wird die Schweizer Umwelt- und Landwirtschaftspolitik für die nächste Generation prägen. Eines ist sicher: Die Ära, in der «Ewigkeitschemikalien» ignoriert wurden, ist endgültig vorbei.