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Swiss Observer

Schweizer Parlament uneinig über Finanzierung der 13. Rente

Der Schweizer Ständerat und der Nationalrat sind sich uneinig darüber, wie die vom Volk angenommene 13. Monatsrente finanziert werden soll. Der Ständerat befürwortet eine Kombination aus einer Erhöhung der Mehrwertsteuer und höheren Lohnbeiträgen, während der Nationalrat zuvor eine Lösung ausschliesslich über die Mehrwertsteuer bevorzugt hatte. Damit steht eine entscheidende politische Entscheidung über die Zukunft des Rentensystems bevor.

Schweizer Parlament uneinig über Finanzierung der 13. Rente
AILe News

Die Schweiz steht vor einer politischen Pattsituation mit weitreichenden Folgen, die sogar die Stabilität ihres Gesellschaftsvertrags bedroht. Nach der historischen Zustimmung des Volkes zu einer 13. Monatsrente steckt das Schweizer Parlament nun in einem erbitterten ideologischen Streit darüber fest, wer die Rechnung in Milliardenhöhe bezahlen soll. Dabei geht es nicht einfach um einen Haushaltsstreit, sondern um einen grundlegenden Konflikt über die Zukunft der Schweizer Wirtschaft. Das Volk hat gesprochen und eine Entlastung für Rentnerinnen und Rentner gefordert, die mit stark steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen. Doch die Art und Weise, wie diese Entlastung finanziert werden soll, ist weiterhin gefährlich ungewiss. Die Frist im Dezember rückt näher, und ohne Einigung könnte die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) in eine prekäre finanzielle Lage geraten. In Bern ist die Anspannung deutlich spürbar, während die Parlamentarierinnen und Parlamentarier mit der Tatsache ringen, dass es in der Sozialpolitik nichts gratis gibt.

Das Vabanquespiel mit der Mehrwertsteuer

Mit einem hauchdünnen Ergebnis von 99 zu 97 Stimmen bekräftigte der Nationalrat kürzlich seine Unterstützung für eine Lösung ausschliesslich über die Mehrwertsteuer. Indem er ein diversifizierteres Finanzierungsmodell ablehnte, setzt die grosse Kammer alles auf eine Erhöhung der Konsumsteuer, die bis 2033 gelten würde. Befürworterinnen und Befürworter argumentieren, dies schütze die schrumpfende erwerbstätige Bevölkerung vor direkten Lohnabzügen. Kritikerinnen und Kritiker halten dagegen, es sei eine regressive Massnahme, die Menschen mit geringem Einkommen an der Ladenkasse am stärksten treffe. Diese befristete Lösung soll Zeit gewinnen, fast ein Jahrzehnt, um ein Rentensystem zu reformieren, das nach Ansicht vieler Fachleute grundsätzlich nicht nachhaltig ist. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider erinnerte jedoch unmissverständlich daran: Die 13. Rente ist dauerhaft, während die vorgeschlagene Finanzierung lediglich eine Übergangslösung ist. Dass der Nationalrat nicht nachgibt, ebnet den Weg für eine dramatische Konfrontation mit dem Ständerat.

Ständerat fordert gemeinsame Lastenteilung

Im deutlichen Gegensatz dazu setzt sich der Ständerat für ein Modell der «gemeinsamen Lastenteilung» ein, bei dem die Lohnbeiträge nicht unangetastet bleiben. Der Vorschlag des Ständerats sieht neben einer Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte auch eine Erhöhung der Arbeitnehmerbeiträge um 0,2 Prozentpunkte vor. Dieser gemischte Ansatz soll die Last zwischen Konsumentinnen und Konsumenten sowie der arbeitenden Bevölkerung aufteilen und sicherstellen, dass Personen mit höheren Löhnen mehr in den gemeinsamen Topf einzahlen. Linke Parteien unterstützen diese Strategie mit höheren Lohnbeiträgen und werfen konservativen Gegnern vor, die Finanzierungskrise als trojanisches Pferd zu nutzen, um später das Rentenalter zu erhöhen. Der Ständerat argumentiert, dass eine alleinige Finanzierung über die Mehrwertsteuer eine fiskalische Illusion sei, die den langfristigen Folgen einer alternden Gesellschaft nicht Rechnung trage. Je näher der 17. Juni rückt, desto grösser wird der Druck auf den Nationalrat, den Kompromiss anzunehmen oder den vollständigen Zusammenbruch des Finanzierungsplans zu riskieren.

Der drohende demografische Schatten

Hinter dem unmittelbaren politischen Gezänk steht eine gravierende demografische Realität: Das Umlageverfahren der Schweiz steht unter beispiellosem Druck. Mit dem Eintritt der Babyboomer-Generation ins Rentenalter sinkt das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnerinnen und Rentnern rapide. Dadurch entsteht ein strukturelles Defizit, das keine einzelne Steuererhöhung vollständig ausgleichen kann. Sollte der Nationalrat den Vorschlag des Ständerats am 17. Juni ablehnen, wird die 13. Rente ab diesem Dezember trotzdem ausbezahlt. Ohne eine klare Finanzierungsquelle müsste der Bund jedoch auf Reserven zurückgreifen oder neue Schulden aufnehmen. Für die Schweizerische Eidgenossenschaft ist dies ein entscheidender Moment. Der Entscheid der kommenden Tage wird nicht nur bestimmen, wie viel mehr ein Kaffee kostet oder wie viel vom monatlichen Lohn abgezogen wird. Er wird auch zeigen, ob die Schweiz ihren Ruf für finanzielle Disziplin wahren und gleichzeitig ihre Versprechen an ältere Menschen einhalten kann. Die ganze Nation blickt nach Bern.