Gesundheitspolitik
Kosten für medizinische Bildgebung in der Schweiz unter Beobachtung
Die Eidgenössische Finanzkontrolle fordert strengere Kontrollen, da die Ausgaben für medizinische Bildgebung jährlich um 5% steigen, besonders in den französischsprachigen Kantonen. Dies wirft Fragen zur Kosteneffizienz des Gesundheitswesens auf.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat angesichts des anhaltenden Anstiegs der Kosten für medizinische Bildgebung in der ganzen Schweiz alarmierende Bedenken geäussert. Die Ausgaben für diagnostische Bildgebungsleistungen steigen jährlich um 5%. Damit liegt die Zunahme über der allgemeinen Kostensteigerung im ambulanten Bereich. Die Prüfung zeigt mehrere Faktoren auf, die dazu beitragen, darunter die Verschreibungspraxis, die lukrativen Tarife für Bildgebungsleistungen im TARMED-System und unzureichende Aufsichtsmechanismen.
Das geltende TARMED-System schafft finanzielle Anreize, die unnötige bildgebende Untersuchungen begünstigen könnten. Deshalb wird eine umfassende Überprüfung der Tarifstruktur gefordert. Diese Entwicklung ist den Bundesbehörden aufgefallen, die sich nun für strengere Kontrollen und mehr Transparenz im Gesundheitswesen einsetzen.
Regionale Unterschiede bei der medizinischen Bildgebung
Ein auffälliges Ergebnis der Prüfung des Bundes ist die erhebliche regionale Varianz bei der Nutzung medizinischer Bildgebung. Besonders in den französischsprachigen Kantonen werden MRT- und CT-Untersuchungen deutlich häufiger durchgeführt. Diese Unterschiede werfen Fragen zur Gleichbehandlung im Gesundheitswesen und zur Ressourcenverteilung zwischen den Sprachregionen der Schweiz auf.
Trotz der Bemühungen der Kantone, den Kauf medizinischer Geräte einzuschränken, zeigt die Prüfung, dass diese Beschränkungen nicht optimal umgesetzt wurden. Einige Einrichtungen umgingen die Vorschriften, indem sie Praxen in Gebieten mit weniger Einschränkungen eröffneten. Dadurch entstand in bestimmten Regionen ein Überangebot an Bildgebungsleistungen. Dies ging mit einem Zusammenhang zwischen höheren Krankenkassenprämien und einer grösseren Verfügbarkeit von Leistungen einher.
Aufsicht und Kontrollmassnahmen der Versicherer
Die Prüfung zeigt erhebliche Lücken bei der Fähigkeit der Versicherungsunternehmen, die Kosten für medizinische Bildgebung wirksam zu überwachen und zu kontrollieren. Eine zentrale Einschränkung besteht darin, dass den Versicherern keine vollständigen Diagnoseinformationen vorliegen. Dadurch können sie die Notwendigkeit verordneter Untersuchungen nur schwer beurteilen. Emmanuel Songra, der die Prüfung leitete, betont, dass Versicherer zwar keine konkreten Diagnosen einsehen können, aber die Verschreibungsmuster von Hausärztinnen und Hausärzten verfolgen und analysieren könnten.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle empfiehlt, die Transparenz zu erhöhen und ausgefeiltere Überwachungsinstrumente zu entwickeln, damit Versicherer eine mögliche übermässige Nutzung bildgebender Leistungen erkennen können. Mit diesen Empfehlungen soll ein Gleichgewicht zwischen dem Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung und der Kostenkontrolle erreicht werden.
Auswirkungen auf das Gesundheitswesen
Die Ergebnisse der Eidgenössischen Finanzkontrolle haben weiterreichende Folgen für das Schweizer Gesundheitswesen. Der Anstieg bildgebender Untersuchungen gibt zwar Anlass zur Sorge über die Kosten, doch Mediziner wie Philippe Eggimann, Vizepräsident der Schweizer Ärzteorganisation, plädieren für eine ausgewogene Betrachtung. Sie verweisen auf Beispiele aus anderen Ländern, etwa Frankreich, wo verzögerte bildgebende Diagnostik wegen einer späteren Erkennung von Krankheiten zu teureren Behandlungen führen kann.
Die Schweizer Gesundheitsbehörden stehen vor der Herausforderung, den hohen medizinischen Versorgungsstandard des Landes aufrechtzuerhalten und zugleich wirksamere Massnahmen zur Kostenkontrolle umzusetzen. Dafür müssen sowohl die unmittelbaren Kostenauswirkungen als auch die langfristigen gesundheitlichen Folgen sorgfältig abgewogen werden. Zudem ist eine Abstimmung zwischen der kantonalen und der eidgenössischen Gesundheitspolitik erforderlich.