Politik
Schweizer E-ID-Projekt vor neuer Referendumsherausforderung
Das Referendumskomitee meldet, über 60'000 Unterschriften gegen das überarbeitete Projekt für eine elektronische Identität gesammelt zu haben. Damit zeichnet sich eine weitere nationale Abstimmung ab.

Der jüngste Versuch der Schweiz, ein nationales System für eine elektronische Identität einzuführen, steht vor einer neuen Herausforderung: Referendumskomitees melden, über 60'000 Unterschriften gegen das überarbeitete Projekt gesammelt zu haben. Damit könnte es zu einer weiteren nationalen Abstimmung über die umstrittene digitale Identität kommen. Die Entwicklung macht deutlich, dass die Debatte über die digitale Transformation der Schweizer Gesellschaft anhält.
Historischer Hintergrund und frühere Versuche
Die aktuelle Herausforderung steht in einer Reihe sorgfältiger Auseinandersetzungen mit der digitalen Identität in der Schweiz. Ein früherer Vorschlag für eine E-ID wurde 2021 von den Stimmberechtigten abgelehnt. Das zeigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer bei Reformen der digitalen Verwaltung vorsichtig sind. Diese direkte demokratische Einflussnahme auf politische Entscheide im digitalen Bereich spiegelt die einzigartige politische Kultur der Schweiz wider, die von der Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger geprägt ist.
Merkmale des vorgeschlagenen E-ID-Systems
Der neue E-ID-Vorschlag ist als kostenloser und freiwilliger Dienst für Schweizer Bürgerinnen und Bürger konzipiert. Er soll Verwaltungsabläufe vereinfachen, indem er den Online-Zugang zu verschiedenen staatlichen Dienstleistungen ermöglicht, darunter Strafregisterauszüge, Führerausweisgesuche und Altersüberprüfungen beim Kauf regulierter Produkte. Das System ist ein bedeutender Schritt hin zu einer digitalen Verwaltung, soll dabei aber die Schweizer Werte des Datenschutzes und der Wahlfreiheit der Bürgerinnen und Bürger wahren.
Widerstand und Bedenken
Der Widerstand gegen das E-ID-Projekt kommt aus verschiedenen politischen Kreisen, darunter der Jungen Schweizerischen Volkspartei, der Eidgenössisch-Demokratischen Union und der Covid-kritischen Bewegung Freunde der Verfassung. Kritikerinnen und Kritiker bezeichnen das Projekt als «undemokratisch», «nutzlos» und «gefährlich». Besondere Bedenken gelten dem Datenschutz und der staatlichen Kontrolle. Die impfkritische Bewegung Mass-Voll meldete separat, 55'000 Unterschriften gesammelt zu haben. Dies deutet darauf hin, dass die Angaben zur Gesamtzahl der Unterschriften gegen das Projekt voneinander abweichen.
Zeitplan und nächste Schritte
Die Regierung plant, das E-ID-System bis 2026 einzuführen, sofern die Abstimmung über das Referendum dies zulässt. Bevor eine nationale Abstimmung angesetzt werden kann, müssen die gesammelten Unterschriften zunächst überprüft werden. Dieser Zeitplan entspricht dem bedachten Tempo der Schweizer demokratischen Prozesse: Er ermöglicht eine umfassende öffentliche Konsultation und hält zugleich die digitale Modernisierung auf Kurs.