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Swiss Observer

Schweizer Unternehmen geben Diversitätsinitiativen unter US-Druck auf

Grosse Schweizer Unternehmen bauen ihre Diversitäts- und Inklusionsprogramme als Reaktion auf den Druck des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ab. Dies verdeutlicht die zunehmenden Spannungen in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA.

Schweizer Unternehmen geben Diversitätsinitiativen unter US-Druck auf
AIThe Local Switzerland

Die Souveränität der Schweizer Unternehmen gerät ins Wanken. In einer eindrücklichen Demonstration geopolitischer Macht bauen grosse Schweizer Konzerne ihre Diversitäts- und Inklusionsstrukturen ab und kommen damit direkt den Forderungen aus den Vereinigten Staaten nach. Das ist keine strategische Neuausrichtung, sondern eine Kapitulation. Vor einigen Monaten stellte der ehemalige US-Präsident ein deutliches Ultimatum: Ausländische Unternehmen, die in den USA tätig sind, müssen ihre «Inklusionspraktiken» aufgeben oder mit Konsequenzen rechnen. Nun zeigen sich die Folgen: Säulen der Schweizer Wirtschaft streichen stillschweigend ihre Richtlinien, um Washington zu besänftigen.

Die Geschwindigkeit, mit der diese Änderungen umgesetzt werden, signalisiert einen entscheidenden Wandel in der globalen Geschäftsdynamik. In den Verwaltungsräten in Zürich und Genf werden Entscheidungen nicht mehr allein auf Grundlage Schweizer Werte oder europäischer Standards getroffen, sondern zunehmend als Reaktion auf die Launen der US-amerikanischen Politik. Dass sich diese grossen Unternehmen fügen, macht eine fragile Realität deutlich: Für viele Schweizer Multinationale wiegt der Zugang zum US-Markt schwerer als ihr Bekenntnis zu einer internen sozialen Unternehmensführung. Diese Kapitulation schafft einen gefährlichen Präzedenzfall und legt nahe, dass sich die Schweizer Unternehmenskultur unter dem Druck der grössten Volkswirtschaft der Welt verbiegen lässt.

Die erdrückende Last von 39 Prozent

Eine massive Zollmauer von 39 Prozent umgibt nun den US-Markt. Diese brutale wirtschaftliche Waffe hat die Schweizer Industrie in die Knie gezwungen. Der Strafzollsatz ist nicht willkürlich: Er war der Vorschlaghammer, der auf das Ultimatum folgte. Die Forderung, Diversitätsinitiativen aufzugeben, kam Monate zuvor, doch die Verhängung dieser erdrückenden Zölle besiegelte das Schicksal der Schweizer Exporte. Der Zusammenhang ist unbestreitbar: Die US-Regierung setzt die Handelspolitik als grobes Druckmittel ein, um ihre ideologischen Vorstellungen im Ausland durchzusetzen.

Schweizer Exporteure sehen sich nun mit einem Albtraumszenario konfrontiert. Der Zoll von 39 Prozent droht, die Gewinnmargen von Pharmazeutika, Maschinen und Luxusgütern gleichermassen zunichtezumachen. Für viele CEOs war die Abwägung nüchtern und unmittelbar: Diversitätsprogramme opfern oder im lukrativsten Markt des Unternehmens den finanziellen Ruin riskieren. Diese wirtschaftliche Umklammerung hat die US-Innenpolitik faktisch ins Herz der Schweiz getragen. Sie zeigt, dass Handelskriege im Jahr 2025 ebenso sehr um Kultur wie um Währungen geführt werden.

Widerstand im Verwaltungsrat

In der Schweizer Geschäftswelt ist jedoch ein Riss entstanden. Während sich einige fügen, leisten andere Schweizer Unternehmen Widerstand und weigern sich, ihre Inklusionspraktiken abzubauen, obwohl die Bedrohung von jenseits des Atlantiks droht. Diese Unternehmen ziehen eine klare Grenze und stellen ihre Unternehmensethik und ihre europäische Identität über den Weg des geringsten Widerstands. Dadurch entsteht ein deutlicher Gegensatz im Markt: Die «Nachgebenden» stehen den «Verteidigern» moderner Unternehmenswerte gegenüber.

Bei dieser Auseinandersetzung geht es um mehr als Personalrichtlinien: Sie ist ein Kampf um die Seele der Schweizer Wirtschaft. Die Unternehmen, die standhaft bleiben, setzen darauf, dass ihr weltweiter Ruf und die Loyalität ihrer Mitarbeitenden mehr wert sind als die unmittelbare Beschwichtigung der US-amerikanischen Politik. Ihnen steht eine unberechenbare Zukunft bevor: Sie riskieren weitere Vergeltungsmassnahmen aus Washington. Doch ihre Weigerung, sich zu beugen, sendet eine starke Botschaft: Die Schweizer Autonomie steht nicht vollständig zum Verkauf. Wenn sich der Staub gelegt hat, wird sich zeigen, ob diese prinzipienfeste Haltung ein selbstzerstörerischer Schritt oder ein Meisterstück der Markenintegrität war.

Souveränität zu verkaufen?

Die Folgen dieser Kapitulation reichen weit über die Bilanzen multinationaler Konzerne hinaus: Sie treffen den Kern der nationalen Souveränität der Schweiz. Wenn ausländischer politischer Druck die interne Unternehmenskultur von Schweizer Firmen bestimmt, wird das Konzept der Neutralität infrage gestellt. Wir erleben eine beispiellose Aushöhlung der Unabhängigkeit: Die Regeln für Schweizer Unternehmen werden in Washington, D.C., statt in Bern festgelegt.

Mit Blick auf die Zukunft stellt sich die Frage: Was wird als Nächstes gefordert? Wenn schon die Drohung mit Zöllen von 39 Prozent ausreicht, um Diversitätsprogramme abzubauen, welche anderen Schweizer Werte stehen dann zur Disposition? Der im August 2025 geschaffene Präzedenzfall ist alarmierend. Er legt nahe, dass die Schweizer Neutralität in einer polarisierten Weltwirtschaft ein Luxus ist, den sich immer weniger Unternehmen leisten zu können glauben. Die Wirtschaft muss sich nun mit einer neuen Realität auseinandersetzen: Wirtschaftliches Überleben erfordert politische Unterordnung. Das verändert die DNA von Unternehmen, die «Swiss Made» sind, grundlegend.