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Swiss Observer

Deutlich mehr geschützte historische Stätten in der Schweiz

Die Zahl der geschützten Baudenkmäler ist seit 2016 um 21 Prozent gestiegen. Bei den lokalen Kulturgütern war der Anstieg mit 31 Prozent am grössten.

Deutlich mehr geschützte historische Stätten in der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz erlebt einen grundlegenden Wandel darin, wie sie ihre Vergangenheit wertschätzt: Seit 2016 ist die Zahl der geschützten historischen Baudenkmäler um beträchtliche 21 Prozent gestiegen. Das Bundesamt für Statistik (BFS) bestätigte am Montag, dass es hierzulande inzwischen fast 91 000 geschützte Objekte gibt. Diese Zahl steht für eine entschiedene Hinwendung zum Kulturerhalt. Es handelt sich nicht bloss um einen statistischen Anstieg, sondern um einen landesweiten Auftrag, die architektonische Seele des Landes zu bewahren. Derzeit machen geschützte Baudenkmäler rund 5 Prozent des gesamten Gebäudebestands der Schweiz aus, ein beträchtlicher Anteil des Immobilienbestands, der der Geschichte gewidmet ist. Die Schweiz zählt zwar 4092 Objekte von herausragender nationaler Bedeutung, doch die Daten zeigen, dass sich das Engagement für den Erhalt auf alle Ebenen der Gesellschaft ausweitet. Dieser Anstieg spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass die greifbaren Zeugnisse der Schweizer Geschichte, von grossen Brücken bis zu kunstvollen Brunnen, in einer sich rasch modernisierenden Welt unverzichtbare Werte sind, die sofort und wirksam rechtlich geschützt werden müssen.

Lokales Kulturerbe rückt ins Zentrum

Die deutlichsten Massnahmen erfolgen auf lokaler Ebene: Der Schutz von Gebäuden von lokaler Bedeutung ist um beeindruckende 31 Prozent gestiegen. Während die Zahl der regional bedeutenden Objekte um beachtliche 15 Prozent zunahm, setzen sich die Gemeinden besonders nachdrücklich dafür ein, ihr Kulturerbe zu schützen. Das deutet auf eine Verschiebung des Fokus weg von den grossen, berühmten Wahrzeichen und hin zum Alltag der Schweizer Bevölkerung: zu Dorfplätzen, gemeinschaftlich genutzten Brunnen und regionaltypischer Architektur, die die Kantone prägt. Insgesamt hat das Bundesamt für Statistik landesweit 303 482 historische Baudenkmäler erfasst, was 12 Prozent aller Gebäude entspricht. Dazu gehören sowohl Statuen von künstlerischem Interesse als auch Brücken von wissenschaftlichem Wert. Die Botschaft der Gemeinden ist klar: Die lokale Geschichte gehört nicht nur ins Archiv, sondern ist ein lebendiges Kulturgut, das rechtlichen Schutz vor dem Zahn der Zeit und vor Neubauprojekten braucht.

Archäologische Schutzgebiete mehr als doppelt so gross

Unter der Erde vollzieht sich ein noch weitreichenderer Ausbau. Die Fläche archäologischer Perimeter, also Gebiete, die von den Kantonen als archäologisch besonders vielversprechend eingestuft werden, hat sich mehr als verdoppelt. Sie ist um 104 Prozent auf 86 419 Hektaren angewachsen. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl dieser sensiblen Zonen um 71 Prozent auf 17 304. Auch die Zahl der bestätigten archäologischen Fundstellen ist stark gestiegen: Sie nahm um 27 Prozent auf landesweit 53 000 zu. Derzeit stehen rund ein Viertel dieser Fundstellen, nämlich 12 651, unter vollständigem rechtlichem Schutz. Diese Zahlen zeichnen das Bild eines Landes, das tief gräbt, um seine alte Geschichte zu sichern, bevor sie verloren geht. Archäologisch geschützte Gebiete machen inzwischen 1,3 Prozent der gesamten Schweizer Landesfläche aus. Das zeigt deutlich, dass das Land selbst mit beispielloser Wachsamkeit überwacht wird, um die Geheimnisse vergangener Zivilisationen zu bewahren.

Bauboom treibt den Schutz historischer Stätten voran

Der starke Anstieg des Schutzes ist eine direkte Reaktion auf den unablässigen Druck durch moderne Infrastrukturprojekte. Wie das Bundesamt für Statistik festhält, spiegeln diese Zunahmen die Spannungen wider, die durch Neubauten entstehen, sowie die dringende Notwendigkeit, das architektonische Erbe zu schützen, bevor es abgerissen wird. Die Schweiz steht vor einer schwierigen Gratwanderung: Sie muss eine moderne Wirtschaft ermöglichen und zugleich ihre Geschichte bewahren. Die Zahlen spiegeln auch Veränderungen bei den Erhebungsmethoden wider, die umfassender und gründlicher geworden sind. Die zentrale Botschaft bleibt jedoch, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Während Baukräne die Skylines prägen, arbeiten Fachleute für Denkmalpflege mit Hochdruck daran, Kulturgüter so schnell wie nie zuvor zu erfassen und zu schützen. Dadurch entsteht eine starke Spannung zwischen Entwicklung und Erhalt. So ist die Schweiz beim Bau ihrer Zukunft rechtlich dazu verpflichtet, die materiellen Zeugnisse ihrer Vergangenheit zu respektieren und zu bewahren.