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Swiss Observer

Komet Lemmon ziert bis Ende Oktober den Schweizer Himmel

Seltenes Himmelsereignis, das vom 12. Oktober bis zum 2. November am Schweizer Himmel sichtbar ist. Der Komet C/2025 A6 Lemmon erreicht Ende des Monats seine grösste Helligkeit.

Komet Lemmon ziert bis Ende Oktober den Schweizer Himmel
AISWI swissinfo.ch

Eine unglaubliche Wartezeit von 1350 Jahren geht nun zu Ende. Der Komet C/2025 A6 Lemmon ist ins innere Sonnensystem zurückgekehrt und bietet den Schweizer Sternenguckerinnen und Sternenguckern eine Gelegenheit, die es nur einmal pro Zivilisation gibt: diesen uralten Himmelsreisenden zu beobachten. Das ist nicht bloss eine astronomische Kuriosität, sondern ein historisches Ereignis. Als dieser Komet möglicherweise zum letzten Mal unseren Himmel zierte, befand sich Europa mitten im frühen Mittelalter. Nun zieht er durch die Schweizer Nacht und zieht die Aufmerksamkeit sowohl erfahrener Astronominnen und Astronomen als auch der breiten Öffentlichkeit auf sich.

Das Beobachtungsfenster ist entscheidend und kurz. Vom 12. Oktober bis zum 2. November beherrscht der Komet den Abendhimmel. Während viele Himmelsereignisse durch die Unberechenbarkeit der Atmosphäre beeinträchtigt werden, dürfte Lemmon eine eindrückliche Vorstellung bieten. Laut MeteoNews ist der Komet derzeit bei optimalen Bedingungen mit blossem Auge sichtbar, belohnt aber jene, die mit einem Feldstecher ausgerüstet sind. Dieses seltene Zusammenspiel von Himmelsmechanik und Sichtbarkeit macht die Schweizer Alpen zu einem erstklassigen Beobachtungsort für den Kosmos.

Auf dem Weg zur grössten Helligkeit

Helligkeit ist die Währung des Nachthimmels, und der Komet Lemmon kann damit auftrumpfen. Prognosen zufolge steigert sich seine Helligkeit bis auf eine Magnitude von 3 bis 4 und erreicht Ende Oktober ihren absoluten Höhepunkt. Zum Vergleich: Der Polarstern Polaris, der Navigatorinnen und Navigatoren seit Jahrhunderten als Orientierungspunkt dient, leuchtet mit einer Magnitude von ungefähr 2. In astronomischen Begriffen bedeutet das, dass Polaris auf dem Höhepunkt des Kometen rund 2,5-mal heller ist als Lemmon. Für ein diffuses Objekt wie einen Kometen ist es jedoch bemerkenswert, sich diesem Bereich anzunähern.

Während der Komet gegen die Lichtverschmutzung ankämpft, macht ihn seine derzeitige Magnitude auch ohne leistungsstarke Teleskope zu einem geeigneten Beobachtungsziel. MeteoNews weist ausdrücklich darauf hin, dass er in dunklen Gebieten mit blossem Auge zu erkennen ist, empfiehlt aber «leistungsstarke Feldstecher», um die Struktur der Koma richtig würdigen zu können. Die Situation verändert sich laufend: Während sich der Komet der Sonne und der Erde nähert, schwankt seine Helligkeit, sodass jede Nacht ein einzigartiges Beobachtungserlebnis bietet. Die Daten deuten darauf hin, dass wir jetzt in die beste Phase seiner Aufhellung eintreten.

Die kosmische Flugbahn nachverfolgen

Die Reise von C/2025 A6 Lemmon war ausgesprochen dramatisch. Bevor er den Abendhimmel zierte, war dieser Himmelswanderer am Morgen zu sehen und wurde im August sorgfältig mit Teleskopen verfolgt. Er durchquerte den Tierkreis rasch, zog vom Sternbild Zwillinge durch das Sternbild Krebs und weiter ins Sternbild Luchs. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Positionsveränderung, sondern auch um eine physische Entwicklung des Objekts selbst.

Während der Komet durch diese Sternbilder raste, nahm seine Aktivität stetig zu. Die Sonnenstrahlung erwärmte seinen eisigen Kern, wodurch er Gas und Staub ausstiess und einen immer längeren Ionenschweif bildete, der nun wie ein kosmisches Banner hinter ihm herzieht. Dieser Schweif ist ein Zeichen für einen aktiven, intakten Kometen. Der Wandel von einem morgens sichtbaren Teleskopobjekt zu einem mit blossem Auge erkennbaren Phänomen am Abendhimmel unterstreicht die Dynamik unseres Sonnensystems. Wir erleben den Höhepunkt einer Reise, die sich über mehr als ein Jahrtausend erstreckt und sich in Echtzeit am Schweizer Firmament abspielt.

Das Schweizer Beobachtungsfenster nutzen

Die Zeit für dieses Himmelsschauspiel läuft ab. Da sich das Beobachtungsfenster am 2. November schliesst, sind die nächsten Wochen für die Schweizer Bevölkerung entscheidend. Lichtverschmutzung bleibt die grösste Herausforderung für Astronominnen und Astronomen. Um Lemmon in seiner ganzen Pracht zu sehen, muss man dem Stadtlicht von Zürich oder Genf entfliehen. Die Höhenlage der Schweizer Alpen bietet einen klaren Vorteil, da man sich dort oberhalb der dichtesten Atmosphärenschichten befindet.

MeteoNews betont, dass die «beste Beobachtungszeit» gerade jetzt ist. Mit dem nahenden November wird der Komet verblassen, während er sich in die Tiefen des Weltraums zurückzieht. Erst in 1350 Jahren wird er wiederkehren. Dies ist ein Aufruf zum Handeln: Feldstecher schnappen, einen Ort mit dunklem Himmel oder einen Alpenpass finden und nach oben schauen. In einer Welt, die von digitalen Bildschirmen geprägt ist, bietet das ursprüngliche, uralte Licht des Kometen Lemmon eine tiefe Verbindung zum Universum, die zugleich demütig und begeisternd stimmt.