Luftfahrt
Flughafen Genf nähert sich dem Niveau vor der Pandemie
Der Flughafen Genf verzeichnet 2024 17,8 Millionen Passagiere und nähert sich dem Niveau von 2019. Strategischer Kurswechsel hin zu grösseren Flugzeugen und höheren Auslastungsraten.

Der Flughafen Genf ist zurück im Geschäft, und die Zahlen sprechen eine klare Sprache. In einem eindrücklichen Beweis seiner Widerstandsfähigkeit beförderte der zweitgrösste Flughafen der Schweiz 2024 sage und schreibe 17,8 Millionen Passagiere. Das entspricht einem Anstieg von 8 % gegenüber dem Vorjahr und macht das durch die globale Pandemie entstandene Defizit praktisch wett. Die Erholung steht nun kurz vor ihrem Abschluss: Das Verkehrsaufkommen liegt nur noch 0,7 % unter den Rekordzahlen von 2019.
Die Zeiten leerer Terminals und stillgelegter Flugzeugflotten sind längst vorbei. Am Flughafen herrscht neue Dynamik: Er verzeichnete 179 106 Starts und Landungen, 3,6 % mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Flugbewegungen hat zwar noch nicht ganz das Niveau des geschäftigen Jahres 2019 erreicht, doch die Passagierzahlen erzählen eine wichtigere Geschichte: Die Nachfrage nach Reisen ab Genf ist mit voller Kraft zurückgekehrt. Das ist nicht nur eine Stabilisierung, sondern eine kräftige Erholung, die das Vertrauen in die Schweizer Wirtschaft und die anhaltende Attraktivität des Tourismussektors signalisiert.
Effizienz statt Volumen: Der strategische Kurswechsel
Bei der Erholung des Flughafens Genf geht es nicht bloss darum, zu alten Gewohnheiten zurückzukehren, sondern darum, effizienter zu fliegen. Die Zahlen zeigen eine markante Abweichung: Während die Passagierzahlen um 8 % in die Höhe geschnellt sind, nahmen die Flugbewegungen lediglich um 3,6 % zu. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewusst verfolgten, offensiven Finanzpolitik, die darauf ausgerichtet ist, jeden einzelnen Start- und Landepunkt bestmöglich zu nutzen.
Die Fluggesellschaften setzen grössere Flugzeuge ein und erzielen deutlich höhere Auslastungsraten. So können sie mit weniger Flugzeugen mehr Menschen befördern. Diese Effizienzsteigerung ist entscheidend. Im Vergleich zu 2019 sind die Flugbewegungen noch immer um 3,7 % tiefer, während die Passagierzahlen nahezu gleich hoch sind. Indem der Flughafen Genf höhere Auslastungsraten begünstigt, gelingt es ihm, das Passagierwachstum von Lärm und Verkehrsüberlastung zu entkoppeln. Dank diesem strategischen Kurswechsel ist das Rollfeld weniger stark ausgelastet als 2019, während die wirtschaftliche Leistung ebenso stark ist.
Frachtbereich wächst rasant und erzielt Rekordzuwachs
Während der Passagierverkehr für Schlagzeilen sorgt, findet im Frachtraum eine stille Revolution statt. Der Luftfrachtverkehr am Flughafen Genf ist regelrecht explodiert und verzeichnete innerhalb eines Jahres einen enormen Anstieg von 41,8 %. 2024 schlug der Flughafen 90 705 Tonnen Fracht um und übertraf damit den Wert des Vorjahres von 63 951 Tonnen bei Weitem.
Der starke Anstieg ist zu einem grossen Teil auf das unaufhaltsame Wachstum des E-Commerce zurückzuführen, das die Logistik in ganz Europa weiterhin verändert. Weil die Kundinnen und Kunden schnellere Lieferungen verlangen, ist die Luftfracht zu einer wichtigen Lebensader der Wirtschaft geworden. Dieser Sektor ist nicht länger bloss ein Nebengeschäft, sondern ein stark wachsender Wirtschaftsmotor für die Region. Die aussergewöhnliche Geschwindigkeit dieses Wachstums unterstreicht die zunehmende Bedeutung Genfs als zentraler Logistikknotenpunkt und zeigt, dass der Flughafen weit über den Tourismus und den Geschäftsreiseverkehr hinaus von Bedeutung ist.
Prognose für 2025: Die Marke wird übertroffen
Die Erholungsphase ist offiziell abgeschlossen, die Expansionsphase hat begonnen. Für die Zukunft gibt der Flughafen Genf eine zuversichtliche Prognose ab: 2025 wird das Jahr sein, in dem die Marke von 2019 endgültig übertroffen wird. Die Flughafenleitung geht davon aus, dass das Passagieraufkommen innerhalb der nächsten zwölf Monate das Niveau vor der Pandemie übersteigen wird. Damit wäre ein historischer Meilenstein für die Schweizer Luftfahrt erreicht.
Mit einem stabilen Streckennetz von 146 Destinationen ist die Infrastruktur für dieses Wachstum gerüstet. Für die Schweiz bedeutet dies die vollständige Wiederherstellung der internationalen Anbindung und gute Aussichten für die regionale Wirtschaft. Im Jahr 2025 stellt sich nicht mehr die Frage, ob sich Genf erholen wird, sondern wie stark es wachsen kann. Der Kurs ist vorgegeben, und die Triebwerke sind bereit für ein Rekordjahr.