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Swiss Observer

Juristische Prüfung nach dem Brand von Crans-Montana wird intensiviert

Die Ermittlungen zum tödlichen Silvesterbrand in der Bar Le Constellation werden durch neue Schwierigkeiten erschwert: Die Staatsanwaltschaft setzt für die Eigentümer eine Kaution fest, Anwälte der Opferfamilien kritisieren, dass keine Autopsien angeordnet wurden, und das Anwaltsteam der Eigentümer verurteilt Medienlecks.

Juristische Prüfung nach dem Brand von Crans-Montana wird intensiviert
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Die juristische Schlinge zieht sich um die Eigentümer von Le Constellation zu, nachdem die Walliser Staatsanwaltschaft für jede beschuldigte Person eine beträchtliche Kaution von 200'000 Franken (250'000 Dollar) festgesetzt hat. Jacques und Jessica Moretti stehen nun im Zentrum einer Strafuntersuchung, die das ganze Land in Atem hält. Ihnen werden schwerwiegende Vorwürfe gemacht: fahrlässige Tötung, Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung. Jacques Moretti bleibt wegen Fluchtgefahr zunächst drei Monate in Untersuchungshaft, während seiner Frau strenge Reisebeschränkungen und die Pflicht auferlegt wurden, sich täglich bei der Polizei zu melden.

Dieses finanzielle Ultimatum kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Justiz mit dem Ausmass der Katastrophe ringt. Der Gerichtsentscheid unterstreicht die Schwere der Vorwürfe, doch das Verteidigungsteam der Morettis argumentiert, die Summe sei eine erdrückende Belastung, da ihr Vermögen beschlagnahmt und ihr Einkommen weggebrochen sei. Während das Gericht den genauen Betrag festzulegen bereit ist, ist die Botschaft der Behörden klar: Die Verantwortlichen werden mit grosser Entschlossenheit zur Rechenschaft gezogen.

Forensisches Versagen: Der Autopsie-Skandal

Ein rätselhaftes Versäumnis im Verfahren hat bei den trauernden Familien Empörung ausgelöst: Die Schweizer Behörden ordneten für die 40 Brandopfer keine sofortigen routinemässigen Autopsien an. Anwälte der Hinterbliebenen bezeichnen dieses Versäumnis als «unverständlich» und argumentieren, wichtige Beweise zur genauen Todesursache, ob durch Feuer, Rauchvergiftung oder das Gedränge bei der Massenpanik, könnten für immer verloren gegangen sein. Das Versäumnis wiegt schwer: 34 Leichen wurden am Fuss der Kellertreppe aufeinandergestapelt gefunden. Dieser schreckliche Umstand verlangt nach einer präzisen forensischen Rekonstruktion.

Die internationalen Spannungen nehmen zu, nachdem Italiens Botschafter bestätigt hat, dass bei keinem der sechs italienischen Opfer in der Schweiz eine Obduktion durchgeführt wurde. Dies zwang die Staatsanwaltschaft in Rom zum Eingreifen und dazu, die Rückführung der sterblichen Überreste zu verlangen. Dieses forensische Vakuum hat einige Familien dazu gezwungen, die Traumatisierung durch aufgeschobene Beerdigungen oder die Erwägung einer Exhumierung zu ertragen. Wie Jean-Luc Addor, der Anwalt eines Opfers, mit erschreckender Klarheit erklärte, sei dieses Versäumnis bei gewaltsamen Todesfällen «nicht normal». Es wirft einen langen Schatten auf die Kompetenz der anfänglichen Ermittlungen.

Verteidigungsteam prangert «Lügen» und Medienlecks an

Die Anwälte des Ehepaars Moretti kämpfen an zwei Fronten und haben eine scharfe Gegenoffensive gegen das gestartet, was sie als «Rachsucht» und «Lügen» bezeichnen. Die Verteidiger weisen Gerüchte vehement zurück und widerlegen insbesondere die viral verbreitete Behauptung, Jessica Moretti sei auf einem Video zu sehen, wie sie mit der Kasse aus dem Inferno flieht. Ihre Mandanten seien «am Boden zerstört» und betrachteten die Tragödie als persönlichen Verlust. Sie betonen: «Auch für sie waren die Toten ihre Toten.»

Entscheidend ist, dass die Verteidigung die Darstellung einer Fahrlässigkeit bei den Sicherheitsstandards infrage stellt. Sie hält daran fest, dass die Notausgänge nicht abgeschlossen und mit vorschriftsgemässen «Panikgriffen» ausgestattet gewesen seien und dass der umstrittene Akustikschaumstoff mehrfach von kommunalen Inspektoren bewilligt worden sei. Indem sie die Glaubwürdigkeit der durchgesickerten Informationen angreift und auf den Nachweisen für die Einhaltung der Vorschriften beharrt, versucht die Verteidigung, die Darstellung von strafrechtlicher Fahrlässigkeit zu einer unvorhersehbaren Katastrophe zu verschieben. Damit bereitet sie den Boden für eine erbitterte Auseinandersetzung vor Gericht.

Eine Nation unter Schock: Der Weg zur Gerechtigkeit

40 Menschen sind ums Leben gekommen und 116 Überlebende tragen körperliche und psychische Narben davon. Der Brand von Crans-Montana hat die Illusion der Schweizer Sicherheit zerstört. Das Ausmass der Tragödie ist in jüngster Erinnerung beispiellos und zwingt das Land, sich unbequemen Fragen zur behördlichen Aufsicht und zur Notfallvorsorge zu stellen. Die Ermittlungen, die nun von forensischen Kontroversen und aggressiven juristischen Manövern überschattet werden, dürften langwierig und mühsam sein.

Während sich der Schnee über die verkohlten Überreste von Le Constellation legt, richtet sich der Fokus auf die Suche nach der vollständigen Wahrheit. Die Walliser Staatsanwaltschaft steht unter enormem Druck, frühe Versäumnisse zu korrigieren und den Familien, deren Vertrauen in das System erschüttert wurde, Gerechtigkeit zu verschaffen. Es handelt sich nicht mehr nur um eine lokale Untersuchung, sondern um eine nationale Bewährungsprobe. Sie wird darüber entscheiden, ob die Schweiz angesichts eines verheerenden Versagens ihren Ruf als Land der Regeln und der Sicherheit wahren kann.