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Swiss Observer

Bevorstehende Abstimmungen: Schweiz entscheidet über die Zukunft des Bargelds und die Finanzierung des Klimaschutzes

Die Schweizer Stimmberechtigten stehen am 8. März vor zwei wichtigen nationalen Abstimmungen: der Initiative «Bargeld ist Freiheit», die physisches Geld in der Verfassung schützen will, und einem separaten Vorschlag zur Schaffung eines Klimafonds in Höhe von 1 % des BIP, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Bevorstehende Abstimmungen: Schweiz entscheidet über die Zukunft des Bargelds und die Finanzierung des Klimaschutzes
AILe News

Die Schweiz steht vor einer wegweisenden Entscheidung. Am 8. März stehen die Stimmberechtigten zwei grundverschiedenen Vorstellungen von der Zukunft des Landes gegenüber: Die eine setzt auf die greifbare Sicherheit von Bargeld, die andere auf eine massive finanzielle Mobilisierung zur Rettung des Klimas. Dies ist nicht einfach ein weiterer Abstimmungssonntag, sondern ein Ringen um die Verfassungsseele des Landes.

Die Tragweite könnte kaum grösser sein. Während die Initiative «Bargeld ist Freiheit» den dauerhaften Schutz des Schweizer Frankens im Portemonnaie fordert, will ein separater, weitreichender Vorschlag einen Klimafonds in Höhe von sage und schreibe 1 % des BIP vorschreiben. Wir erleben einen Zusammenprall von Prioritäten: unmittelbare persönliche Freiheit gegen das langfristige Überleben des Planeten. Die Stimmberechtigten müssen entscheiden, ob die Verfassung als Tresor für Geld oder als Kriegskasse für die Umwelt dienen soll. Da sich der Bundesrat gegen die konkreten Mechanismen beider Initiativen stellt, bleibt der Ausgang offen und unvorhersehbar.

Bargeld ist Freiheit: Der Kampf um den Franken

Bargeld ist Trumpf, und die Freiheitsbewegung Schweiz will, dass das so bleibt. Ihre Initiative fordert eine Verfassungsgarantie, dass Bargeld überall verfügbar bleibt. Sie argumentiert, Bargeld sei der beste Schutz vor digitaler Überwachung und Systemausfällen. In einer Krise, so ihre Überzeugung, halte nur Bargeld die Wirtschaft am Laufen.

Doch Bern hält dagegen. Bundesrat und Parlament leisten erbitterten Widerstand. Der Nationalrat lehnte die Initiative mit 179 zu 17 Stimmen deutlich ab. Die Begründung: Der Vorschlag sei zu vage und juristisch unausgegoren. Stattdessen hat der Bundesrat einen pragmatischen Gegenvorschlag vorgelegt: eine klare Verfassungsänderung in zwei Sätzen, die den Schweizer Franken ausdrücklich als Landeswährung bezeichnet und die Bargeldversorgung garantiert. Nun stehen die Stimmberechtigten vor einer taktischen Stichfrage. Es geht nicht mehr darum, ob Bargeld geschützt werden soll, sondern wie. Zur Wahl stehen ein populistischer Schutzschild und eine bürokratische Festung.

Das Milliardenrisiko für das Klima

Die Befürworter fordern eine gewaltige Kriegskasse von bis zu 7,8 Milliarden Franken jährlich, um die Klimakrise zu bekämpfen. Die vorgeschlagene Initiative verlangt bis 2050 jedes Jahr einen obligatorischen Beitrag von 0,5 % bis 1 % des BIP. Das ist kein Kleingeld, sondern eine massive Umverteilung des nationalen Wohlstands, um Gebäude zu sanieren, die Solarenergie auszubauen und den öffentlichen Verkehr zu revolutionieren.

Die Dringlichkeit ist spürbar. Die Befürworter warnen, dass die Kosten des Nichthandelns die Wirtschaft bereits belasten: Die aktuellen Schäden belaufen sich auf 1 Milliarde Franken pro Jahr. Ohne diesen Fonds könnten die Kosten ihrer Prognose zufolge bis 2060 auf erschreckende 34 Milliarden Franken jährlich steigen. Jean-Pierre Danthine, ehemaliger Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank, argumentiert, diese existenzielle Bedrohung rechtfertige es, die als unantastbar geltende «Schuldenbremse» aufzubrechen. Die Botschaft ist klar: jetzt einen hohen Preis zahlen oder später den finanziellen Ruin riskieren. Mit dieser Initiative soll die heutige Generation eine historische Last tragen, um die Zukunft zu sichern.

Wirtschaftspolitische Gegensätze prallen aufeinander

Diese Abstimmung legt einen tiefen Riss in der Schweizer Wirtschaftsphilosophie offen. Während die Linke den Fonds als notwendigen Eingriff befürwortet, sieht die Rechte darin eine «Industriepolitik durch die Hintertür». Kritiker argumentieren, Milliarden an Subventionen würden die Märkte verzerren, bevorzugte Technologien stützen und unweigerlich zu Verschwendung führen. Sie befürchten eine Ineffizienz nach sowjetischem Vorbild, bei der administrative Entscheide die Marktsignale ersetzen.

Die Grünliberale Partei nimmt eine bezeichnende Position ein: Sie bekennt sich zum Umweltschutz, lehnt aber das gewählte Mittel ab. Sie zieht, wie die meisten Ökonominnen und Ökonomen, eine CO₂-Bepreisung pauschalen Subventionen vor. Die Sorge ist, dass ein dauerhafter Klimafonds zu einem politischen Selbstbedienungstopf wird, der sich später nicht mehr auflösen lässt. Der Bundesrat verweist derweil auf die jährlich bereits verfügbaren 2 Milliarden Franken und hält den neuen Vorschlag für überflüssig und leichtsinnig. Am 8. März entscheidet die Schweiz, ob sie dem Markt oder dem Staat die Rettung des Planeten anvertraut.