Wirtschaft
Firmenkonkurse in der Schweiz steigen 2025 um über 36 Prozent
Ein neuer Bericht zeigt einen deutlichen Anstieg der Firmenkonkurse in der Schweiz: In den ersten elf Monaten des Jahres gingen über 11'000 Unternehmen in Konkurs. Am stärksten betroffen sind das Baugewerbe, die Gastronomie und der Detailhandel.

Die Schweiz erlebt eine beispiellose Auslese unter den Unternehmen. Ein schwerer Schlag für die Volkswirtschaft: In den ersten elf Monaten des Jahres 2025 sind über 11'000 Unternehmen zusammengebrochen. Die jüngsten Daten des Wirtschaftsinformationsdienstes Crif zeichnen ein düsteres Bild: Die Konkurse sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 36 Prozent gestiegen. Das ist kein allmählicher Rückgang, sondern eine Beschleunigung.
Das Tempo der Firmenpleiten nimmt in alarmierendem Masse zu. Während der Anstieg gegenüber dem Vorjahr nach neun Monaten noch knapp 20 Prozent betrug, brachte der Herbst eine Flut von Insolvenzen. Ende November belief sich die Gesamtzahl der gescheiterten Unternehmen auf 11'057. Diese dramatische Zunahme seit September deutet darauf hin, dass sich der Druck auf Schweizer Unternehmen rasch verstärkt und Tausende von Firmen keine andere Möglichkeit mehr haben, als ihre Türen dauerhaft zu schliessen.
Baugewerbe und Gastronomie trifft es am härtesten
Am härtesten trifft es jene, die unser Land bauen. Das Baugewerbe steckt in der Krise und führt die Konkursstatistik mit verheerenden 1'576 Firmenkonkursen an. Dieser Sektor, der oft als Gradmesser für die Gesamtwirtschaft gilt, bricht unter dem Druck des Marktes ein.
Dicht dahinter kämpft das Gastgewerbe mit einer eigenen Krise. In der Gastronomie kam es zu 1'090 Firmenpleiten, da Restaurants und Cafés in einem zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ums Überleben kämpfen. Auch der Detailhandel verzeichnet hohe Verluste: 774 Unternehmen stellten ihren Betrieb ein. Auf diese drei Säulen der Schweizer Wirtschaft, Bauen, Verpflegen und Verkaufen, entfällt ein grosser Teil der Pleiten. Die Daten zeigen eine brutale Realität: Für Branchen, die von Sachwerten und Konsumausgaben abhängig sind, war 2025 ein unerbittliches Jahr.
Gesetzesänderung löst Anstieg der Konkurse aus
Der Anstieg ist nicht allein auf die Marktkräfte zurückzuführen, sondern auch auf gesetzliche Massnahmen. Eine wichtige Änderung des Schweizer Rechts, die am 1. Januar 2025 in Kraft trat, hat die Lage für verschuldete Unternehmen grundlegend verändert. Zuvor konnten die Steuerbehörden ausstehende Forderungen nur durch Beschlagnahmung von Vermögenswerten eintreiben. Nun gelten neue Regeln.
Nach der neuen Regelung können Steuerschulden von im Handelsregister eingetragenen Unternehmen direkt im Konkursverfahren geltend gemacht werden. Diese politische Änderung hat Unternehmen, die sonst womöglich als «Zombie-Unternehmen» weitergewirtschaftet hätten, faktisch die letzte Stütze entzogen. Der Staat wartet nicht länger ab, sondern drängt zahlungsunfähige Unternehmen aktiv in den Konkurs, um öffentliche Gelder zurückzufordern. Dieses rigorose Aussortieren erklärt einen beträchtlichen Teil des statistischen Anstiegs, da der Staat nicht überlebensfähige Unternehmen aus dem Handelsregister entfernen will.
Unternehmergeist trotzt dem Abschwung
Doch inmitten der Trümmer zeigen sich auch erste Anzeichen für neue Dynamik. Paradoxerweise bleibt der Schweizer Unternehmergeist ungebrochen, während etablierte Firmen scheitern. Die Zahl der Neugründungen ist in diesem Jahr auf beinahe 49'000 gestiegen. Das entspricht einem robusten Zuwachs von 4,4 Prozent gegenüber 2024.
Die Struktur dieser neuen Wirtschaft verändert sich jedoch. Der Detailhandel liegt mit 3'924 Neugründungen vorne, dicht gefolgt von der Unternehmensberatung (3'902) und der Immobilienbranche (3'650). Der Technologiesektor erlebt dagegen selbst eine Flaute: Bei den Neugründungen im Bereich der Informationstechnologie wurde ein deutlicher Rückgang von 19,7 Prozent verzeichnet. Auch die Neugründungen in der Gastronomie gingen um 10,4 Prozent zurück. Während die etablierten Unternehmen im Baugewerbe und Gastgewerbe ins Wanken geraten, schliesst eine neue Welle von Beratungs- und Handelsunternehmen die Lücke und gestaltet die Zukunft der Schweizer Wirtschaft neu.