Finanzen
Stimmung im Bankensektor trübt sich ein, Schweizer Banken stellen sich auf Folgen tieferer Zinsen ein
Laut dem neuen EY-Bankenbarometer hat sich die Stimmung unter den Schweizer Banken eingetrübt. Fast die Hälfte rechnet aufgrund des Margendrucks durch sinkende Zinsen mit einem Rückgang des Geschäftsergebnisses.

Die goldene Ära müheloser Gewinne ist offiziell vorbei. Die Stimmung hat sich dramatisch verändert: Fast die Hälfte aller Schweizer Banken, genauer gesagt 46 Prozent, rechnet für 2025 mit einem Rückgang des Geschäftsergebnisses. Das ist nicht bloss ein leichter Rückgang, sondern ein Einbruch. Gemäss dem neuesten EY-Bankenbarometer ist dies der pessimistischste Ausblick, den die Branche seit 15 Jahren erlebt hat. Das Vertrauen, das die Branche durch die jüngsten globalen Turbulenzen getragen hat, ist angesichts der Realität eines schwierigeren wirtschaftlichen Umfelds geschwunden.
Die Daten aus der Befragung von über 100 Instituten zeigen eine deutliche Abkehr von den Rekordergebnissen der vergangenen zwei Jahre. Zwar rechnen die meisten Banken weiterhin damit, dass sich die Margen im Zinsengeschäft stabilisieren, doch die allgemeine Stimmung ist unbestreitbar düster. Die Erwartung schrumpfender Gewinne ist ein Weckruf für eine Branche, die lange vom Puffer einer günstigen Geldpolitik profitiert hat. Im Verlauf des Jahres 2026 wird die Botschaft klar: Der Gegenwind ist da und stärker als erwartet.
Die Nullzinsära setzt die Margen unter Druck
Der Grund für diese pessimistische Wende ist eindeutig: die Rückkehr zu null. Nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins wieder auf 0 Prozent gesenkt hat, schwinden die lukrativen Margen, von denen die Banken profitiert haben. Über Jahre hinweg war das Zinsengeschäft die zentrale Ertragssäule der Schweizer Finanzinstitute. Nun gerät diese Säule unter dem Einfluss geldpolitischer Anpassungen ins Wanken.
Die Autorinnen und Autoren des Bankenbarometers stellen einen kontinuierlichen Rückgang der Zinsmargen fest, der den Instituten wenig Spielraum für Optimierungen lässt. Statt müheloser Erträge ist nun jeder Basispunkt hart umkämpft. Die Rückkehr zu einer Realität tiefer Margen zwingt die Banken, sich einer schwierigen Wahrheit zu stellen: Das «Gratisessen», das höhere Zinsen ermöglichten, gibt es nicht mehr. Während die SNB den Leitzins bei null Prozent belässt, um die breitere Wirtschaftslage zu steuern, müssen die Banken in einem Umfeld navigieren, in dem ihr wichtigster Ertragstreiber ins Stocken gerät.
Kantonalbanken stehen im Sturm
Nicht alle Banken leiden gleich stark: Innerhalb der Branche ist ein tiefer Graben entstanden. Regionalbanken und Kantonalbanken stehen direkt im Sturm. Da diese Institute stark vom traditionellen Zinsengeschäft, also von Hypotheken und Spargeldern, abhängig sind, treffen sie die sinkenden Zinsen überproportional stark. In den vergangenen Jahren erzielten diese einheimischen Schwergewichte Rekordergebnisse, heute sehen sie sich mit den stärksten Rückgängen konfrontiert.
Private Banken und ausländische Institute überstehen die Turbulenzen dagegen deutlich widerstandsfähiger. Dank ihrer diversifizierten Ertragsquellen, insbesondere stabiler Kommissionserträge aus der Vermögensverwaltung, sind sie viel weniger pessimistisch. Diese unterschiedliche Entwicklung macht eine zentrale Schwachstelle des traditionellen Schweizer Bankenmodells sichtbar: Die übermässige Abhängigkeit von Zinserträgen ist in einem volatilen geldpolitischen Umfeld ein gefährliches Risiko. Während die global tätigen Anbieter sich neu ausrichten, bemühen sich die lokalen Institute, ihre Erträge zu sichern.
Das langfristige Vertrauen bleibt unerschüttert
Trotz der unmittelbaren düsteren Aussichten will der Schweizer Bankensektor langfristig nicht gegen sich selbst wetten. Ganze 94 Prozent der Banken rechnen damit, dass das Geschäftsergebnis über einen Zeitraum von drei Jahren steigen wird. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den 85 Prozent des Vorjahres und zeigt: Kurzfristig ist der Ausblick zwar stürmisch, doch die strukturelle Stärke des Schweizer Finanzplatzes bleibt unerschüttert.
Dieser langfristige Optimismus deutet darauf hin, dass die Banken den aktuellen Margendruck eher als vorübergehende konjunkturelle Hürde denn als systemisches Versagen betrachten. Die Institute vertrauen weiterhin auf die Robustheit ihrer Geschäftsmodelle und die anhaltende Attraktivität der Schweizer Marke. Wie Marcel Rohner von der Schweizerischen Bankiervereinigung festhielt, ist der Finanzplatz trotz früherer Erschütterungen gut positioniert. Die Strategie ist klar: 2025 die schwierige Phase durchstehen, um in den Folgejahren von einem stabilisierten und weiterentwickelten Markt zu profitieren.