Wirtschaft
Schweizerische Nationalbank meldet Verlust von einer halben Milliarde Franken im ersten Quartal
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gab für das erste Quartal des Jahres einen Verlust von 0,5 Milliarden Franken bekannt. Verursacht wurde der Verlust durch ihre Fremdwährungspositionen, die nur teilweise durch Gewinne auf ihren Goldbeständen ausgeglichen wurden.

Das finanzielle Fundament der Schweiz gerät ins Wanken: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bestätigt für das erste Quartal 2026 einen gewaltigen Verlust von 0,5 Milliarden Franken. Dieses Defizit fällt in eine Zeit erhöhter wirtschaftlicher Sensibilität und zeigt, dass selbst die angesehenste Zentralbank der Welt vor den chaotischen Launen der globalen Märkte nicht gefeit ist. Der Verlust wurde durch die schwache Entwicklung der Fremdwährungspositionen verursacht, die ein massives Minus von 8,2 Milliarden Franken verzeichneten. Die SNB ist zwar an das Auf und Ab der internationalen Finanzmärkte gewöhnt, doch ein Loch von einer halben Milliarde Franken innerhalb von nur drei Monaten verlangt von Politik und Bevölkerung gleichermassen sofortige Aufmerksamkeit. Das ist kein blosses Rundungsproblem, sondern eine deutliche Erinnerung an die Risiken, die mit der enormen Bilanz der SNB verbunden sind. Diese ist weiterhin stark in volatilen zinstragenden Wertpapieren und Aktien engagiert. Trotz der roten Zahlen bewahrt die Bank ihre typische Gelassenheit und weist darauf hin, dass solche Schwankungen in einer Zeit unberechenbarer Kapitalmärkte eher die Regel als die Ausnahme sind.
Gold glänzt, während Währungen einbrechen
Gold bleibt der ultimative Rettungsanker der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Sein Wert stieg und bot mit einem Gewinn von 7,8 Milliarden Franken ein entscheidendes Polster, das eine vollständige Finanzkatastrophe verhinderte. Während die Devisenmärkte das SNB-Portfolio in Mitleidenschaft zogen, stieg der Wert ihrer Goldreserven innerhalb von nur neunzig Tagen von 110 919 auf beachtliche 118 400 Franken pro Kilogramm. Diese deutliche Wertsteigerung zeigt eine zunehmende Divergenz: Während die Papierwerte der Bank, insbesondere die Aktien, Abflüsse von 6,3 Milliarden Franken verzeichneten, blieben ihre physischen Goldbestände stabil. Auch die zinstragenden Wertpapiere verbuchten Verluste und drückten das Ergebnis der Fremdwährungen um weitere 5,3 Milliarden Franken nach unten. Dieses Tauziehen zwischen «sicherem Hafen» Gold und «riskanten» Fremdwährungsanlagen prägt die aktuelle Schweizer Geldpolitik. Die Strategie der SNB, umfangreiche Devisenreserven zu halten, um die Stärke des Frankens zu steuern, bleibt ein zweischneidiges Schwert: Die Gewinne einer Anlageklasse müssen ständig die beträchtlichen Verluste einer anderen aufwiegen.
Besser als die düstersten Prognosen
In einer überraschenden Wendung erwies sich der Verlust der SNB gemessen an den düstersten Markterwartungen tatsächlich als Erfolg. Die Ökonomen der UBS hatten mit einer deutlich grösseren Einbusse gerechnet und einen Verlust von 1 Milliarde Franken als wahrscheinlichstes Szenario prognostiziert. Indem die SNB den Schaden auf die Hälfte begrenzte, bewies sie eine widerstandsfähige, wenn auch angeschlagene Abwehrhaltung. Der Bank gelang es, Zinserträge von 3,2 Milliarden Franken und Dividendenerträge von 0,6 Milliarden Franken zu erzielen. Das verschaffte ihr inmitten des allgemeinen Markteinbruchs eine wichtige Einnahmequelle. Selbst die Positionen in Schweizer Franken, die oft für Schwankungen sorgen, steuerten einen bescheidenen Gewinn von 40 Millionen Franken bei. Dieser geringe Gewinn aus inländischen Positionen steht in starkem Kontrast zu den massiven Verlusten bei internationalen Aktienanlagen. Ein Verlust ist zwar nie ein Grund zum Feiern, doch dass die SNB die Prognosen von Fachleuten um 50 Prozent übertraf, deutet darauf hin, dass ihr Umgang mit Zinsinstrumenten robuster sein könnte, als Skeptiker befürchtet hatten.
Hohe Risiken angesichts globaler Schwankungen
Der weitere Weg der Schweiz ist von Unsicherheit geprägt. Die SNB warnt davor, aus einem einzelnen Quartal langfristige Schlüsse zu ziehen. Das sei ein riskantes Unterfangen. Das Mandat der Zentralbank, die Preisstabilität zu gewährleisten, verlangt oft, erhebliche Risiken in ihrer Bilanz einzugehen. Die derzeitige Volatilität an den Kapitalmärkten zeigt keine Anzeichen eines Abflauens. Für die Schweizer Bevölkerung sind diese Ergebnisse mehr als blosse Zahlen: Sie beeinflussen die Möglichkeit von Gewinnausschüttungen an den Bund und die Kantone, die auf SNB-Gewinne zur Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen angewiesen sind. Bei Rekordpreisen für Gold und unruhigen ausländischen Märkten bewegt sich die SNB auf einem schmalen Grat. Die Medienmitteilung der Bank war eindeutig: Die finanzielle Entwicklung hängt von den globalen Geschehnissen ab. Im weiteren Verlauf des Jahres 2026 wird sich die Aufmerksamkeit darauf richten, ob die SNB ihre Fremdwährungsstrategie anpassen kann, um weitere Abflüsse zu vermeiden, oder ob sie weiterhin auf die «Midas-Berührung» ihrer Goldreserven angewiesen sein wird, um sich in einer turbulenten Weltwirtschaft über Wasser zu halten.