Wohnen
Mehr Mietbetrug zielt auf Wohnungssuchende in der Schweiz
Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit meldet eine Zunahme von Mietbetrugsfällen. Betrüger nutzen den angespannten Schweizer Wohnungsmarkt aus, insbesondere in Regionen mit einer Leerwohnungsziffer von unter 1%.

Die Schweiz kämpft mit einer Wohnungskrise, die inzwischen zum Nährboden für Cyberkriminalität geworden ist. Da die Leerwohnungsziffer landesweit auf unter 1% sinkt, ist die Verzweiflung, ein Dach über dem Kopf zu finden, deutlich spürbar. In den stark umkämpften Kantonen Zug und Genf ist die Lage noch kritischer: Die Verfügbarkeit ist auf unter 0,5% eingebrochen. Diese Knappheit schafft für Betrüger ideale Bedingungen, um die Panik von Wohnungssuchenden skrupellos auszunutzen. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) meldet einen besorgniserregenden Anstieg von Mietbetrugsfällen. Das zeigt, dass digitale Kriminelle den Schweizer Wohnungsmangel gezielt ausnutzen.
Die Zahlen zeichnen ein düsteres Bild der zunehmenden Bedrohung. Allein 2024 registrierten die Behörden 270 bestätigte Fälle von gefälschten Wohnungsinseraten. Der Trend zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung: In den ersten Wochen des Jahres 2025 gingen bereits 32 neue Meldungen ein. Dabei handelt es sich nicht bloss um Statistiken. Dahinter stehen Einzelpersonen und Familien, die durch den angespannten Markt an ihre Grenzen gebracht und dann von ausgeklügelten kriminellen Netzwerken ausgenutzt werden. Während die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in den grossen Städten steigt, füllen Betrüger die Lücke mit nicht existierenden Wohnungen und leeren Versprechungen.
So funktioniert die digitale Falle
Die Dreistigkeit dieser Betrugsmaschen wird nur von ihrer Raffinesse übertroffen. Betrüger wenden verschiedene Methoden an, um die Skepsis erschöpfter Wohnungssuchender zu umgehen. Ein besonders anschauliches Beispiel für diese Täuschung tauchte kürzlich in Zürich auf: eine 4,5-Zimmer-Wohnung, die für erstaunliche 1100 CHF pro Monat angeboten wurde. Auf einem Markt, auf dem eine solche Wohnung ein Vielfaches dieses Preises kosten müsste, war das Angebot eine Illusion, die verzweifelte Menschen anlocken sollte. In solchen Inseraten werden oft gestohlene Fotos echter Wohnungen oder vollständig erfundene Innenräume verwendet, kombiniert mit unrealistisch tiefen Mieten, um sofort Interesse zu wecken.
Sobald der Köder ausgelegt ist, schnappt die Falle zu. Betrüger geben sich häufig als Vermieter aus, die sich gerade im Ausland aufhalten, und schaffen so eine plausible Erklärung dafür, weshalb sie sich nicht persönlich treffen können. Sie verlangen, dass «notwendige» Vorauszahlungen, als Besichtigungsgebühren, Schlüsselpfand oder erste Monatsmiete bezeichnet, sofort überwiesen werden. Die Geldspur führt oft zu Bankkonten im Ausland oder zunehmend in den nicht zurückverfolgbaren Bereich von Kryptowährungs-Wallets. Neben dem finanziellen Diebstahl dienen diese Kontakte einem doppelten Zweck: Sie sollen auch sensible persönliche Daten sammeln. Übermässig aufdringliche Anmeldeformulare, die Sozialversicherungsnummern und Bankangaben verlangen, sind oft ein Vorwand für Identitätsdiebstahl. Die Opfer werden dadurch finanziell und digital verwundbar.
Warnsignale und Schutzmassnahmen
Wachsamkeit ist der einzige wirksame Schutz vor diesen räuberischen Betrugsmaschen. Das NCSC warnt ausdrücklich: Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das mit grosser Wahrscheinlichkeit auch. Das deutlichste Warnsignal ist ein Mietpreis, der erheblich unter dem Durchschnitt der Region liegt. Wohnungssuchende sollten die Preise mit ähnlichen Inseraten vergleichen, um solche Auffälligkeiten sofort zu erkennen. Auch die Forderung nach einer Zahlung vor der Besichtigung ist ein eindeutiges Zeichen für Betrug. Kein seriöser Vermieter verlangt Bargeld, Geschenkkarten oder Kryptowährungen, bevor ein Vertrag unterschrieben und die Wohnung besichtigt wurde.
Mietinteressierte sollten jedes Detail genau prüfen. Rechtschreibfehler, Bilder mit niedriger Auflösung und unvollständige Kontaktangaben sind typische Anzeichen für eine hastig aufgesetzte Betrugsmasche. Wer genauer nachforschen möchte, kann anhand öffentlich zugänglicher Grundbuchdaten überprüfen, wem eine Liegenschaft tatsächlich gehört, und so die Lügen eines falschen Vermieters entlarven. Ausserdem sollte man niemals Formulare ausfüllen, die übermässig viele persönliche Daten wie Sozialversicherungsnummern verlangen, bevor die Seriosität der Agentur oder des Eigentümers überprüft wurde. Auf diesem hart umkämpften Markt ist Skepsis nicht bloss eine Haltung, sondern eine Überlebensstrategie.
Sicherheit in einem angespannten Markt zurückgewinnen
Der Anstieg von Mietbetrugsfällen ist ein Weckruf für den Schweizer Wohnungsmarkt. Solange der Markt angespannt bleibt, liegt es an den Einzelnen, entschlossen zu handeln, wenn sie einen Betrugsversuch vermuten. Schnelles Handeln kann den Schaden begrenzen. Wenn Sie vermuten, ins Visier geraten zu sein, brechen Sie den Kontakt sofort ab. Lassen Sie sich auf nichts ein und verhandeln Sie nicht. Wer bereits Geld überwiesen hat, sollte laut NCSC unverzüglich bei der Kantonspolizei eine formelle Anzeige erstatten. Die Plattform Suisse ePolice bietet eine einfache Möglichkeit, solche Straftaten in den deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Regionen zu melden.
Die Folgen eines Identitätsdiebstahls können ebenso schwerwiegend sein. Wurde einem Betrüger eine Pass- oder ID-Kopie übermittelt, müssen die Betroffenen den Vorfall umgehend ihrem örtlichen Passbüro melden, um langfristige Rufschädigung zu verhindern. Der Wohnungsmangel ist eine strukturelle Herausforderung, deren Bewältigung Jahre dauern wird. Der Kampf gegen die Ausnutzung im digitalen Raum findet jedoch jetzt statt. Indem sie sich informieren und jeden Vorfall melden, können Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz dazu beitragen, die Netzwerke zu zerschlagen, die aus ihrer Suche nach einem Zuhause Profit schlagen.