Wirtschaft
Umfrage zeigt: Mehrheit für die Abschaffung des Fünfräpplers
Eine Umfrage zeigt, dass 54 % der Schweizer Bevölkerung die Abschaffung des Fünfräpplers unterstützen würden. Am stärksten ist diese Haltung im Tessin (80 %) und in der französischsprachigen Schweiz (68 %). Das deutet darauf hin, dass die Debatte über die Zukunft der kleinsten Schweizer Münze auch eine kulturelle und regionale Dimension hat.

Die goldene Ära der kleinsten Schweizer Münze neigt sich offiziell dem Ende zu. Erstmals fordert eine deutliche Mehrheit von 54 % der Schweizer Bevölkerung die Abschaffung des Fünfräpplers. Das signalisiert einen entscheidenden Wandel im Verhältnis der Nation zu Geld. Damit ist ein Wendepunkt für den ikonischen «Fünfräppler» erreicht, der seit Langem die Portemonnaies füllt und die Konsumentinnen und Konsumenten frustriert. Die Daten aus einer umfassenden Edelmetallstudie der Universität St. Gallen (HSG) und von Philoro zeichnen das Bild einer Nation, die bereit ist, sich von der überflüssigen Last geringwertiger Münzen zu befreien.
Das ist nicht bloss ein Vorschlag, sondern ein Auftrag der Bevölkerung. Die Umfrage, an der über 3000 Erwachsene teilnahmen, zeigt die zunehmende Ungeduld mit ineffizienten Abläufen im Alltag. Die Münze ist zwar weiterhin ein gesetzliches Zahlungsmittel, doch ihr praktischer Nutzen ist in einer Zeit rascher Inflation und digitaler Bequemlichkeit stark gesunken. Die Schweizerinnen und Schweizer sind pragmatisch, und das Urteil ist klar: Der Fünfräppler ist ein überholtes Relikt, das mehr Umstände verursacht, als es an Wert bietet.
Regionaler Aufstand: Die lateinische Schweiz gibt den Ton an
Während der Landesdurchschnitt bei 54 % liegt, fordern erstaunliche 80 % der Bevölkerung im Tessin die sofortige Abschaffung des Fünfräpplers. Das ist nicht nur eine Vorliebe, sondern eine regionale Ablehnung dieser Währungseinheit. In der französischsprachigen Schweiz ist die Zustimmung ebenfalls ausgeprägt: 68 % sprechen sich für die Abschaffung aus. Christian Brenner, CEO von Philoro Schweiz, führt die landesweite Mehrheit ausdrücklich auf diese «starken Meinungen» südlich und westlich der Saane zurück.
Im starken Gegensatz dazu bleibt die Deutschschweiz der konservative Anker: Die Meinungen sind in dieser Frage ausgeglichen. So entsteht ein faszinierender monetärer «Röstigraben», bei dem die kulturellen Unterschiede in der Frage nach der Zukunft des Geldes ebenso deutlich sind wie die Sprachgrenzen. Während die deutschsprachigen Kantone zögern und an der Tradition festhalten, drängen die lateinischen Regionen entschlossen auf ein effizienteres, modernisiertes Währungssystem. Diese regionalen Unterschiede zwingen die Schweizerische Nationalbank, sich mit einer gespaltenen öffentlichen Meinung auseinanderzusetzen, die stark von der geografischen Lage geprägt ist.
Das Bargeld-Paradox: Physisches Geld erlebt ein Comeback
Die Ablehnung des Fünfräpplers sollte nicht mit einer Ablehnung von Bargeld verwechselt werden. In einer überraschenden Wendung erlebt die Beliebtheit von Bargeld ein Comeback. Die Studie zeigt, dass sich nur 11,2 % der Befragten ein Leben ganz ohne Bargeld vorstellen können. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den 28 %, die noch vor zwei Jahren, 2023, verzeichnet wurden. Die Vorstellung, die Schweiz steuere auf eine bargeldlose Gesellschaft zu, ist auf eine harte Grenze gestossen.
Die Schweizerinnen und Schweizer sind nach wie vor stark an Banknoten gebunden. Auch wenn sie sich an den kleinsten kupferfarbenen Münzen stören, verteidigen sie ihr Recht, physische Franken zu besitzen, vehement. Diese Widerstandskraft ist entscheidend: Selbst wenn sich digitale Zahlungsmethoden ausbreiten, hat das Gefühl der Sicherheit, das Bargeld vermittelt, wieder an Bedeutung gewonnen. Die Daten weisen auf ein differenziertes Konsumverhalten hin: Die Schweizerinnen und Schweizer wollen Effizienz, aber nicht den vollständigen Verzicht auf greifbare Vermögenswerte. Sie räumen ihre Portemonnaies auf, statt sie zu leeren.
Demografischer Wandel: Die Kluft zwischen Alter und Einkommen
Die Fronten im Kampf um die Zukunft des Schweizer Frankens verlaufen nicht nur entlang regionaler Grenzen, sondern auch nach Alter und Einkommen. Die Studie legt eine deutliche demografische Realität offen: Je jünger, wohlhabender und besser ausgebildet die Befragten sind, desto schneller wenden sie sich vom Bargeld ab. Personen mit hohem Einkommen und einem Hochschulabschluss sprechen sich statistisch häufiger für ein Leben ohne Bargeld aus. Sie betrachten Münzen und Banknoten als überholte Reibungsverluste in einer nahtlos digitalisierten Wirtschaft.
Ältere Generationen und Personen mit geringerem Einkommen hingegen sind die entschiedenensten Verteidiger des Bargelds. Mit der Weiterentwicklung der Finanzinfrastruktur kann dies zu gesellschaftlichen Spannungen führen. Sollte der Fünfräppler verschwinden, wäre dies der erste Dominostein, der von einer Bevölkerungsgruppe umgestossen wird, die Schnelligkeit höher gewichtet als Tradition. Doch angesichts des zunehmenden Widerstands gegen eine vollständig bargeldlose Gesellschaft könnte der Fünfräppler in naher Zukunft das einzige Opfer sein, das die Schweizerinnen und Schweizer hinzunehmen bereit sind.