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Swiss Observer

Microsoft und McKinsey gehören zu den wichtigsten Sponsoren eines Trump-freundlichen Treffpunkts in Davos

Grosse US-Unternehmen, darunter Microsoft und McKinsey, zahlen jeweils bis zu 1 Million Dollar, um einen Veranstaltungsort namens «USA House» am Weltwirtschaftsforum in Davos zu sponsern. Dieser soll während des bevorstehenden Besuchs von Präsident Donald Trump US-Regierungsvertreter unterstützen.

Microsoft und McKinsey gehören zu den wichtigsten Sponsoren eines Trump-freundlichen Treffpunkts in Davos
AISWI swissinfo.ch

Die amerikanische Unternehmenswelt setzt in Davos noch stärker auf Präsenz und nimmt dafür einen erstaunlichen Preis von 1 Million Dollar (790'000 Franken) pro Zugang in Kauf. In einem markanten Schritt, um sich mit der künftigen Regierung zu verbünden, zahlen Branchenriesen wie Microsoft und McKinsey gemeinsam mit dem Krypto-Unternehmen Ripple jeweils bis zu siebenstellige Beträge, um das «USA House» zu finanzieren. Dabei geht es nicht bloss um ein Sponsoring, sondern um den kalkulierten Kauf von Nähe zur Macht. Während sich Präsident Donald Trump auf seinen ersten persönlichen Auftritt am WEF seit sechs Jahren vorbereitet, nutzen diese Unternehmen die Gelegenheit, ihre Marken direkt vor globalen Entscheidungsträgern zu platzieren.

Das enorme Ausmass dieser Investition signalisiert einen dramatischen Wandel der Unternehmensstrategie. Auch JPMorgan Chase wurde angefragt, und die bestätigte Liste deutet auf ein breit gefächertes Bündnis aus Technologie-, Beratungs- und Finanzunternehmen hin, die sich eine gute Ausgangslage sichern wollen. Der Veranstaltungsort, der ausdrücklich dazu dient, «die US-Delegation zu unterstützen», hat einen klaren Auftrag: die Kluft zwischen der Privatwirtschaft und dem inneren Zirkel der neuen Regierung zu überbrücken. Dieser finanzielle Schub unterstreicht eine zentrale Realität: Im hochkarätigen Umfeld von Davos ist Zugang die wichtigste Währung, und der Eintrittspreis war noch nie so hoch.

Der «Burning Man»-Architekt hinter dem Altar

Eine Kirche aus dem 19. Jahrhundert wird zum Zentrum amerikanischer Macht, organisiert von einem Mann, der einst von einem «Burning Man für Milliardäre» träumte. Die English Church, die in den 1880er-Jahren gegründet wurde und knapp ausserhalb des Sicherheitsperimeters des WEF liegt, wird als Schauplatz für dieses Networking mit hohem Einsatz dienen. An der Spitze steht Richard Stromback, ein ehemaliger Eishockeyspieler, der zum Investor wurde und für seine legendären exklusiven Partys in Davos bekannt ist. Seine Beteiligung garantiert, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen diplomatischen Aussenposten handeln wird.

Der Kontrast ist auffällig und bewusst gewählt. Obwohl der Veranstaltungsort ein Gotteshaus ist, verspricht die Atmosphäre elektrisierend zu werden und strenge Sicherheitsvorkehrungen mit hochkarätigem Networking zu verbinden. Strombacks Vision stellt das traditionelle «House»-Modell auf den Kopf und schafft eine privat organisierte Enklave, die zwar offiziell erklärt, sie «vertrete nicht die US-Regierung», aber zweifellos als deren faktischer Hauptsitz dienen wird. Indem die Organisatoren das historische Steingebäude mit Erinnerungsstücken zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung schmücken, schaffen sie eine visuelle und symbolische Festung, die sich vom globalistischen Ton des Hauptforums abhebt.

Nationalismus trifft auf Krypto: Die neue amerikanische Agenda

Das Programm des USA House ist unverhohlen nationalistisch und signalisiert eine deutliche Abkehr von der traditionellen globalistischen Rhetorik des WEF. Mit Themen wie «Frieden durch Stärke» und «glaubensbasierten Initiativen» spiegelt das Programm die zentralen Grundsätze der Trump-Doktrin wider. Besonders aufschlussreich ist die Aufnahme des Themas «digitale Vermögenswerte und wirtschaftliche Resilienz», eine Anspielung auf Sponsor Ripple und das wachsende Interesse der Regierung an Kryptowährungen. Diese Plattform soll eine bestimmte Vorstellung amerikanischer Dominanz verstärken, bei der fossile Brennstoffe als «flüssiges Gold» Vorrang vor dem Pariser Klimaabkommen haben.

Trumps Rückkehr in die Schweizer Alpen dürfte für Unruhe sorgen. Bei seinem letzten Auftritt hielt er eine virtuelle Rede, in der er Klimaabkommen scharf kritisierte. Dieses Jahr verleiht seine persönliche Anwesenheit politischen Eingriffen zusätzliches Gewicht, insbesondere in Bezug auf Venezuela und die Ölmärkte. Während das offizielle WEF-Motto um «einen Geist des Dialogs» wirbt, steht das USA House als Bastion einseitiger Stärke da. Der Gegensatz ist deutlich: Während der Rest von Davos über Zusammenarbeit spricht, konzentriert sich dieser Treffpunkt ganz auf die amerikanische wirtschaftliche Resilienz und die Demonstration von Macht. So entsteht im Ferienort ein konkurrierendes Machtzentrum.

Der «House»-Wettstreit: Das Weltwirtschaftsforum wird privatisiert

Der Aufstieg des USA House verdeutlicht, wie das Davoser Modell auseinanderbricht und sich das eigentliche Geschehen zunehmend vom Kongresszentrum in private Enklaven verlagert. Dieses «House»-System, bei dem Länder wie Saudi-Arabien und Belgien sowie nun auch die US-Unternehmenswelt lokale Läden und Hotels mieten, verändert die Landschaft des Forums. Für die Schweiz als Gastgeberland stellt diese Zersplitterung eine komplexe Herausforderung dar. Das WEF ringt bereits mit einer Identitätskrise und jüngsten Skandalen und muss in einer polarisierten Welt seine Relevanz unter Beweis stellen.

Während Unternehmen und Länder entlang der Promenade ihre eigenen Festungen errichten, löst sich der einheitliche «Davos-Geist» zunehmend in konkurrierende Einflussbereiche auf. Das USA House ist bislang der offensivste Ausdruck dieses Trends: eine privat finanzierte, von Unternehmen getragene diplomatische Zone, die nach eigenen Regeln funktioniert. Für die Schweizer Öffentlichkeit und die lokalen Behörden bedeutet dies, dass sie sich auf verschärfte Sicherheitsvorkehrungen und eine noch dichtere Machtkonzentration in einem ohnehin überfüllten Tal einstellen müssen. Technisch gesehen ist das Weltwirtschaftsforum zwar Gastgeber, doch angesichts der Millionenbeträge, die in Satellitenveranstaltungsorte wie die English Church fliessen, verlagert sich das Machtzentrum unbestreitbar von der Hauptbühne weg.